Wachsende Kluft

Kommentar: Katholische Kirche in der Krise

Der Bischofssitz deutlich teurer, die Kosten zum Teil mit Stiftungsgeldern finanziert - laut „Spiegel“ belastet die kirchliche Prüfkommission den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schwer. Von Peter Schulte-Holtey

Noch ist nichts offiziell. Aber die Anzeichen verstärken sich, dass die Expertise über das Handeln des Bischofs enorm düster ausfällt.

Auch diese Zuspitzung des Limburger Falls muss viele Gläubige beunruhigen. Sie fürchten nun mehr denn je die anhaltende Hängepartie. Denn bis der Papst eine endgültige Entscheidung trifft, wird der Skandal eine schwere Belastung für die katholische Kirche in Deutschland bleiben. Die Vertreter der 75-köpfigen Diözesanversammlung, das ist die gewählte Vertretung der rund 650 000 Katholiken im Bistum, haben sich ja längst entschieden. Sie sehen das Vertrauen „als so zerstört an, dass ein Neubeginn mit dem Bischof nicht möglich erscheint“. Tebartz-van Elst scheint dieses klare Votum bislang nicht zu akzeptieren. Es ist ein Trauerspiel.

Was die Kirchenleitung zusätzlich in Alarmstimmung versetzen sollte, ist das bislang schwache Echo auf die Umfrage, die Papst Franziskus in Auftrag gegeben hat. Er wollte sich ein Bild davon machen, wie die katholische Basis denkt und lebt. Das Resultat: Theorie und Praxis in der katholischen Kirche haben beim Thema Sexualität nichts miteinander zu tun. Ignorieren kann auch die deutsche Kirche die Ansichten ihrer Mitglieder nicht mehr. Sie halten in überwiegender Mehrheit den Kurs des Vatikans in den Fragen der Verhütung, aber auch bei der Verweigerung der Kommunion für Wiederverheiratete schlicht für falsch. Diese Kluft wird sich vergrößern, sollten die Bischöfe nicht auf die wachsenden Sorgen der durch eine Vielzahl von Kirchenskandalen verunsicherten Katholiken mit überzeugenden Veränderungen eingehen.

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