Grausame Zustände

Kommentar zur Kinderarbeit

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Peter Schulte-Holtey

Sie arbeiten häufig unter gefährlichen Bedingungen, hantieren mit Chemikalien, atmen giftige Dämpfe ein und schleppen schwere Lasten. Von Peter Schulte-Holtey

Sie sind normalerweise überarbeitet, unterernährt und unterbezahlt – wenn sie überhaupt entlohnt werden: Weltweit schuften Millionen Mädchen und Jungen, oftmals unter sklavenähnlichen Bedingungen. Besonders viele sind es in Indien; offiziell ist von 4,4 Millionen Kindern die Rede, wahrscheinlich sind es wesentlich mehr. An den Hintergründen dieses Skandals hat sich seit Jahren nichts geändert: Wichtige Normen hinsichtlich Arbeitnehmerrechten, Umwelt- und Kinderschutz werden zwar in Europa größtenteils als Selbstverständlichkeit wahrgenommen; sie sind dies aber keinesfalls in zahlreichen Ländern der Welt, aus denen uns Rohstoffe, Naturgüter oder Konsumgüter geliefert werden.

Von vielen Bundesbürgern wird dies noch immer stillschweigend akzeptiert, wenn sie zum Beispiel Textilien zu Niedrigpreisen kaufen – von Kindern gefertigt, die als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Der Appell von Kinderschützern sollte endlich gehört werden: Es lohnt sich, beim Schnäppchen-Kauf genauer hinzugucken. Auch die Regierenden in Berlin können viel mehr unternehmen, um entschiedener gegen die Misere vorzugehen. Bei der Außenwirtschaftsförderung – Stichwort Hermes-Kredite – sollte der Ausschluss von Kinderarbeit ein Standardkriterium für die Vergabe sein. Und natürlich kann von der Bundesregierung auch gefordert werden, dass sie bei Gesprächen über Handels- und Investitionsabkommen das Thema Kinderschutz lautstark mit an den Verhandlungstisch bringt.

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