Schwere Geburt

Kommentar: Kinderfreundliches Deutschland?  

Für die hochschwangeren Mütter muss es ein Schock gewesen sein, als sie kurz vor dem Kreißsaal abgewiesen wurden. Zu wenige Hebammen, lautete die knappe Ansage in Darmstadt und Frankfurt. Also zur nächsten Klinik. Unter Umständen kann das lebensgefährlich sein. Von Nikolas Sohn

Grund für den Missstand: Eine Menge Kreißsäle haben in den vergangenen Jahren dichtgemacht. Eine Hebamme muss sich heute gleich um bis zu fünf Neugeborene kümmern, beklagt die Elterninitiative „Mother Hood“. Auch nach einer Geburt: Für junge Familien hakt es an allen Ecken und Enden. Beispiel Betreuung: Da schaffen die Kommunen, häufig in Abhängigkeit von ihrer Haushaltslage, zwar hier und da zusätzliche Kitaplätze. Der tatsächliche Bedarf aber kann vielerorts immer noch nicht gedeckt werden. Auch der inzwischen gesetzlich normierte Anspruch auf einen Krippenplatz hat daran wenig ändern können.

Inzwischen tritt ein weiteres Problem zutage. Es fehlt insbesondere auf dem Land an Kinderärzten. Daran dürfte sich mittelfristig wenig ändern, zumal das Salär am unteren Ende der Skala der Ärzte-Einkommen rangiert.

Hebammen protestieren in Frankfurt

Trotz aller Bemühungen des Staats, jungen Menschen den Kinderwunsch schmackhaft zu machen, kann also nicht übersehen werden, dass das derzeitige Klima noch längst nicht kinderfreundlich ist. Damit Paare sich fürs Kind entscheiden, müssen sich – neben verstärkten Anreizen für Medizinstudenten und Hebammen – vor allem die Rahmenbedingungen für Eltern weiter verbessern. Dies ist langfristig nur vorstellbar, wenn Wohnungen an Familien statt vorzugsweise an kinderlose Doppelverdiener vermietet werden, wenn Chefs Teilzeitmodelle mit garantierter Rückkehr auf eine Vollzeitstelle ermöglichen und Kindergeschrei nicht in erster Linie als Lärmquelle betrachtet wird.

Ein afrikanisches Sprichwort lautet: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ Auf hiesige Verhältnisse übertragen, könnte man sagen: Seid endlich mal solidarisch.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Uli Deck/dpa

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