Kommentar zum Konflikt in Syrien

Kommentar: Irakische Verhältnisse

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Syrien brennt, das schmerzt bitterlich. Jahrzehntelang war der arabische Staat ein politisch stabiles und auch für westliche Besucher sicheres Land inmitten einer von Kriegen erschütterten Region.

In seiner gesellschaftlichen Vielfalt ein Vorbild für das Miteinander von Angehörigen unterschiedlichster Ethnien und Konfessionen. Jetzt werden das Land und seine Menschen jeden Tag tiefer in den Abgrund der Zerstörung gerissen; immer neue Gräueltaten nehmen die internationale Gemeinschaft in die moralische Pflicht einzuschreiten. Der Ruf nach einer Intervention, er wird lauter.

Auch für jemanden, der Syrien verwandtschaftlich und im Herzen eng verbunden ist, erscheint ein militärisches Ende mit Schrecken besser als der absehbare Schrecken ohne Ende. Was aber brächte eine Intervention des Auslands? Das Regime auszulöschen, um so der Gewalt ein Ende zu setzen? Krieg, um einen Bürgerkrieg zu verhindern? Eine törichte wie gefährliche Vorstellung. Syrien ist nicht Libyen.

Ein Militärschlag aus der Luft würde in dem dicht besiedelten Land unzählige Zivilisten treffen, ein notwendiger Einmarsch mit Bodentruppen angesichts der starken syrischen Armee und der zunehmenden Zahl unterschiedlicher Akteure vor Ort ähnlich katastrophal enden wie im Irak und in Afghanistan. Unklar ist auch, ob Russland einem Militärschlag je zustimmen wird. Moskau unterhält selbst einen militärischen Stützpunkt an der syrischen Mittelmeerküste.

Ein Krieg ausländischer Mächte gegen Assad zündet genau jene Lunte am Pulverfass Nahost, die einen Flächenbrand mit unabsehbaren Folgen auslöst. Libyen ist implodiert. Syrien wird explodieren. Den absehbaren Bürgerkrieg wird eine Intervention nicht mehr verhindern. Die Destabilisierung des säkularen Regimes in Damaskus, das rücksichtslos gegen seine Gegner vorgeht, hat irakische Verhältnisse in der gesamten Region zur Folge. Schon jetzt flammen die blutigen konfessionellen Auseinandersetzungen im Libanon und im Irak wieder auf, auch Jordanien wird sich langfristig vor diesen Entwicklungen nicht abschotten können.

Genau deshalb zögert der Westen, darunter die deutsche Regierung. Und das aus gutem Grund. Ein militärisches Eingreifen wird den syrischen Konflikt nicht mehr lösen, sondern ihn nur noch verschlimmern, ihn geradezu entgrenzen.

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