Kommentar zu den Konzepten gegen Altersarmut

Kommentar: Neue Balance

Mehr und mehr ältere Menschen in Hessen arbeiten in Minijobs. Viele sind dazu gezwungen, weil die Rente allein zum Leben nicht reicht. Von Peter Schulte-Holtey

Dass die Zahl der über 65-Jährigen, die staatliche Grundsicherung erhalten, rasant steigt, ist ebenfalls ein deutlicher Hinweis auf gestiegene Bedürftigkeit.

Fest steht: Altersarmut wird in den kommenden Jahren ein drängendes Problem werden. Viele Menschen sind heute im Niedriglohnsektor beschäftigt, darunter viele Frauen, die zudem weniger Rentenpunkte haben, weil sie wegen der Kinder aussetzen mussten. Die Realität zeigt, dass Geringverdiener oft gar nicht in der Lage sind, privat vorzusorgen.

Beim Ringen um die beste Therapie gegen Altersarmut ist längst bekannt, dass das Rentensystem die Probleme und die Missstände, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt herrschen, bislang nicht ausgleichen kann. Neue Rezepte sind gefragt, alte haben versagt. So wird ja weiterhin von vielen nicht wahrgenommen, dass zehn Jahre Riester-Rente vor allem ein gigantisches Konjunkturprogramm für die Versicherungswirtschaft waren. Dass die Renditen für die Kleinsparer erstaunlich mager und die Bürokratie miserabel sind, hat sich leider immer noch nicht herum gesprochen.

An anderer Stelle muss also angesetzt werden. Über den Mindestlohn sollte viel intensiver diskutiert, über Dumpinglöhne, Leiharbeit und Wildwuchs bei befristeten Jobs. Und es muss gehandelt werden. Das ebenfalls gegen Altersarmut gedachte Zuschussrentenmodell von der Leyens liegt ja noch immer auf Eis, weil sich die Bundesregierung über den geplanten Finanzierungsmix aus Steuer- und Beitragsgeldern nicht einig ist. Es sieht auch eine Aufstockung von Niedrigrenten bis auf maximal 850 Euro vor, ist aber - nach einer Übergangszeit mit erleichterten Bedingungen - an jahrzehntelange Beitragszahlungen in die Rentenversicherung und an zusätzliche Altersvorsorge geknüpft. Das Konzept könnte sich bewähren, zumindest als Baustein. Die Altersversorgung braucht eine neue Balance.

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