Kroatien und die EU

Kommentar: Bittere Lektion

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Detlef Drewes

Kroatien sollte es besser wissen. Sechs Jahre hat das Land bereits vergeudet, weil es einen aktenkundig gesuchten Kriegsverbrecher nicht an das Internationale Strafgericht in Den Haag ausgeliefert hat.

Die EU setzte daraufhin die für 2007 geplante Aufnahme erst einmal von der Tagesordnung ab. Sechs Jahre, in denen Zagreb tiefer in die Krise gerutscht ist, als dies möglicherweise hätte sein müssen, wenn man bereits zur europäischen Familie gehört hätte. Nun versucht die Regierung erneut, alte Seilschaften vor internationaler Strafverfolgung zu schützen. Wie naiv muss man sein, um glauben zu können, dass die Kommission und die anderen EU-Mitgliedstaaten sich solche Eigenheiten gefallen lassen? Die kroatische Regierung und die sie stützenden Abgeordneten schaden erneut dem eigenen Land.

Für die Brüsseler EU-Verwaltung ist die Lektion besonders bitter. Man hatte gehofft, bei Kroatien endlich alles richtig zu machen, nachdem man beim Beitritt Rumäniens und Bulgariens für seine Großzügigkeit bestraft worden war. Nun belegt Kroatien einmal mehr: Ein Staat, der seine Geschichte nicht wirklich aufgearbeitet und alte Seilschaften zerschlagen hat, ist vom EU-Beitrittslevel weit entfernt.

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