Kommentar: Fanatische Gewalt

Nur Realitätsverweigerer haben glauben wollen, dass der Brandherd Irak endgültig erloschen ist. Von Lorenz von Stackelberg

Die explosionsartig um sich greifenden Flammen des Dschihadisten-Aufstands kommen dennoch zum jetzigen Zeitpunkt überraschend - wie marode die Strukturen im Lande wirklich sind, haben offenbar nicht einmal Pessimisten geahnt.

Wenn der Irak seit dem Sturz Saddams nie mehr zu einer halbwegs stabilen Staatlichkeit gefunden hat, dann liegt das an einer Kette katastrophaler Fehlentscheidungen. Sie begann mit der Zerschlagung von Polizei und Armee durch die internationale Koalition unter Führung von US-Präsident George W. Bush, setzte sich mit der systematischen Ausgrenzung der Sunniten durch den schiitischen Regierungschef al-Maliki fort, und ist vermutlich mit dem von US-Präsident Obama verantworteten überstürzten Truppenabzug noch nicht zu Ende. Jetzt sind es die enttäuschten und verbitterten Sunniten, die sich vom Staat abgewendet und den Boden für den Fanatismus bereitet haben, auf dem die Terrormilizen der Isis gegen die demoralisierten Streitkräfte Sieg um Sieg einfahren. Was die Lage so gefährlich macht, ist der Umstand, dass die USA die irakische Armee mit hochentwickeltem Kriegsgerät ausgestattet haben, das nun den Killerbrigaden in die Hände fällt.

Wenn jetzt der Albtraum eines grenzüberschreitenden Terrorstaates Realität zu werden droht, der neben den irakischen Kurden vor allem die Türkei und den Iran auf den Plan rufen wird, dann haben nicht zuletzt die Europäer Grund zur Sorge. Sie wären von neuen Flüchtlingswellen ebenso als erste betroffen wie vom Export fanatischer Gewalt.

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