Gedankenspiele in Limburg

Kommentar: Warten auf ein klares Signal

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Blickt im Zwangsurlaub einer ungewissen Zukunft entgegen: Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

Ein Ort für die Armenspeisung, eine Anlaufstelle für Obdachlose oder ein Besucher-Café in der Bischofsresidenz: Während Franz-Peter Tebartz-van Elst im Zwangssurlaub ist, wird in Limburg munter über die Zukunft seines 31-Millionen-Neubaus diskutiert. Von Peter Schulte-Holtey

Auf den Punkt bringt es dabei Werner Otto, Mitglied des Limburger Priesterrats, wenn er fragt: „Wäre es nicht ein gutes Zeichen, wenn das Haus, das der Öffentlichkeit geradezu als Symbol der Verschwendung gilt, sich für diejenigen öffnen würde, die nichts zum Verschwenden haben?“

Stimmt! Von der katholischen Kirche müsste jetzt ein klares Signal kommen. Eine mögliche Unterbringung von Flüchtlingen in der Residenz würde sich ja auch am Vorbild von Altbischof Franz Kamphaus orientieren, der in den 80er und 90er Jahren das damalige Bischofshaus einer fünfköpfigen Familie aus Eritrea überließ und ins Priesterseminar zog.

Es geht in diesen Tagen aber noch um viel mehr, es geht um einen ehrlichen innerkirchlichen Dialog. Denn zum sündhaften teuren Bau der Bischofsresidenz kommt ein autoritärer Führungsstil von Tebartz-van Elst im Umgang mit Bistumsmitarbeitern, vor allem in der liberalen Großstadt Frankfurt, die zur Diözese Limburg gehört.

Die Ausgangslage für Veränderungen in der Kirche ist gar nicht so schlecht. In den Pädophilie-Skandalen der vergangenen Jahre hat noch die „alte“ Haltung zur gemeinschaftlichen Vertuschung „abscheulicher Verbrechen“ (Benedikt XVI.) geführt. Im Fall Limburg ist aber ein neuer Führungsstil, vermittelt durch Papst Franziskus, sichtbar geworden; so hat der Vatikan bislang zu einer vernünftigen, menschlichen und letztlich offenen Entscheidung in einer für Katholiken dramatischen Situation gefunden.

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