Mehr Pflicht, weniger Kür

Kommentar: Löchrige IT-Produkte

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik listet per Lagebericht regelmäßig die größten Probleme für die IT-Sicherheit in Deutschland auf. In diesem Jahr bekommen besonders die Hersteller von Software und Betriebssystemen ihr Fett weg. Adobe, Microsoft, Google und Apple sind betroffen – und somit ist fast jeder betroffen. Von Ralf Enders

Dass politisch motivierte Cyber-Krieger und kriminelle Hacker staatliche Stellen und Unternehmen im Visier haben, ist bekannt. Dass auch Privatleute beim Online-Banking oder dem Tummeln auf der Partnerbörse nicht sicher sind, ist auch nicht neu. Doch während die Sorglosigkeit im Umgang mit Daten in den Chefetagen und Verwaltungen sträflich ist, gilt dies für Lieschen Müller nur bedingt. Denn wer kann sich ernsthaft Windows, OS X, Android oder Adobe-Produkten gleichzeitig entziehen? Und wartet man ohnehin nicht schon die Hälfte der Zeit vorm Gerät, bis die vermaledeiten Updates endlich abgeschlossen sind? Nein, das Desinteresse privater Nutzer an den komplizierten Details der digitalen Welt ist legitim. Freilich sind sie gehalten, ihre Software zu aktualisieren und einen Virenschutz zu installieren, aber ansonsten haben sie das Recht, einfach nur Anwender zu sein.

Deshalb ist die Watschn des Bundesamts für die Hersteller korrekt. Und sie weist auf ein mächtiges Problem unserer Zeit hin: Die Fundamente der digitalen Gesellschaft sind so instabil wie manche Datenleitung. Die aktuellen Technologien, die, bloß weil es technisch möglich ist, aber auch jeden Mist vernetzen und smart machen, arbeiten nur so lange einwandfrei, so lange keiner nach ihren Schwachstellen sucht – und das ist bekanntlich der Job des Hackers. Hier liegt die wahre Aufgabe der Digitalbranche: weniger Kühlschränke, die melden, wenn die Eier alle sind, aber mehr sichere und stabile Grundsysteme.

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Rubriklistenbild: © Symbolbild. dpa

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