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Kommentar: Merkel lässt Davos sausen

Im hochalpinen Davos trifft sich die Weltwirtschaft und die neue Bundesregierung trifft sich zur Kabinettsklausur in der brandenburgischen Ebene auf Schloss Meseberg. Merkel & Co. lassen also die erste Gelegenheit fahren, sich auf internationalem Parkett mehr als 40 Staats- und Regierungschefs sowie 1500 Spitzenvertretern der Wirtschaft vorzustellen. Von Frank Pröse

Zeugt das nun von Arroganz, von Überheblichkeit, von Größenwahn? Die EU-Kommission hält das Forum immerhin für so wichtig, dass zwölf Mitglieder in die Schweiz reisen. Die Deutschen aber treffen sich lieber in der Provinz. Das provoziert Kritik und die Frage, ob das klug ist, wo Deutschland als exportorientiertes und hoch verschuldetes Land doch sowohl auf internationales Image als auch auf internationale Anleger angewiesen ist. Da kann Kontaktpflege nur von Vorteil sein. Die aber lässt sich sicher auch an anderer Stelle bewerkstelligen.

Jene, die die Regierung jetzt als hinterwäldlerisch hinstellen, jene sind in großer Zahl bisher auch die größten Kritiker des Debattierclubs in Davos gewesen. Im mondänen Davos treffen sich nämlich auch viele Selbstdarsteller der anglo-amerikanischen Finanzelite mit der Schickeria im Gefolge, die der restlichen Welt ungeachtet ihres Scheiterns ihre Sicht der Dinge oktroyieren wollen. Nicht selten sorgen Wirtschaftstheorien und auch vage praktische Vorschläge für etwas Furore auf den Massen-Gipfeln, höchst selten aber werden Lösungen für aktuelle oder zukünftige Aufgaben gefunden, die die fünf Tage in den Bergen überdauern. Ist es da nicht wichtiger, die Hausaufgaben für Deutschland zu machen, Energiewende und Rentenzukunft verlässlich zu organisieren?

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