Merkel und Schröder

Kommentar: Danke für den Kuchen

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Ja Herrgott nochmal, ist denn gar nichts mehr wie früher? Da treffen Kanzlerin Angela Merkel und ihr Vorgänger Gerhard Schröder aufeinander – und es geht zu wie auf dem Ponyhof. Von Ralf Enders

Sie lobt den „begnadeten Wahlkämpfer und Reformer“, bedankt sich noch artig für den Kuchen seinerzeit. Über Schröders Reformen kann Merkel ja wahrlich froh sein; sie haben die sozialdemokratische Seele geschunden, der Union eine Menge Früchte zum Ernten hinterlassen und nicht zuletzt die Linkspartei als Mehrheitsbeschafferin für die Union etabliert. Und er freut sich wie Bolle, dass Mutti persönlich seine Biografie vorstellt. Oh nein, denkt man da, jetzt hat die Teflon-Merkel mit ihrer Raute sogar Schröders Testosteron-Spiegel sinken lassen.

Und überhaupt: Gab’s bei der SPD keinen, der das Buch hätte vorstellen können? Oder schämen die sich alle wegen Schröders Agenda 2010? Muss doch nicht sein, immerhin hat die uns bestens durch die Jahre der Finanzkrise gebracht.

CDU, SPD – ist doch egal heutzutage. Was waren das für Zeiten, als politische Bierkutscher wie Franz Josef Strauß und Herbert Wehner zur Freude des Publikums sich die Pest an den Hals wünschten und ihre Ansichten ins Land hinaus gekeift haben. Da wusste Lieschen Müller noch, wen sie wählen sollte. Und heute? Harmonie, wohin man schaut. Und wer mal Klartext redet, wird von der political correctness schnell wieder einkassiert.

Dabei können Politiker doch gar nicht unterschiedlicher sein als Schröder und Merkel: Hier der rabaukige Schröder, aus ärmlichen Verhältnissen stammend. Instinktmensch, Sozi mit Stallgeruch. „Acker“ haben sie ihn beim Fußball genannt, weil er wühlen konnte. Dort die ostdeutsche Pfarrerstochter, studierte Physikerin, nüchtern und pragmatisch bis zur Schläfrigkeit. Wenn selbst die beiden sich nicht mal mehr gepflegt zoffen können ...

Piep, piep, piep – wir haben uns alle lieb.

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