Ein klares Signal

Kommentar zur Misere in der Altenpflege 

Offenbach - Eine ungewöhnliche Aktion, die auf ein breites Echo stößt: Die diakonischen Altenpflegeheime und ambulanten Pflegedienste haben die Forderungen ihrer Mitarbeiter, von pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen auf Postkarten gesammelt und sie gestern in einem „Rettungspaket“ an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in Berlin gesendet.

Auch im Rhein-Main-Gebiet formulierten Mitarbeiter ihre Protestnoten, die die große Misere in der Altenpflege drastisch beschreiben: Nach den geltenden Regelungen zur Finanzierung müssten die Pflegenden arbeiten „wie eine Maschine“, und die Pflegebedürftigen würden „zu Objekten gemacht“. Zahlen belegen eindrucksvoll das Problem; eine Schwester in skandinavischen Ländern muss vier Patienten in einer Stunde versorgen, in Deutschland teils bis zu elf.

Es wird höchste Zeit für mehr Wertschätzung durch höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Seit langem wird über den Trend zur wirtschaftlich optimierten, menschlich aber bedenklichen Pflege geklagt. Passiert ist bislang wenig. Seit Jahren gibt es eine Finanzierungslücke in der Altenpflege zwischen den steigenden Personalkosten und der stagnierenden Refinanzierung. Warum berücksichtigt die Pflegeversicherung nicht den tatsächlichen Hilfebedarf, warum erkennen die Pflegekassen nicht die Tariflöhne an?

Die alternde Generation sollte uns mehr Anerkennung wert sein. Leider stehen noch immer die Lasten in der Debatte zu sehr im Vordergrund. Die Stärke eines Gemeinwesens zeigt sich aber vor allem daran, wie es die Bedürftigen und die Schwächeren behandelt.

Was Mut macht: Auch viele Bundesbürger sind inzwischen bereit, eine Wende einzuleiten. Einer Umfrage zufolge sind 70 Prozent der Ansicht, dass mehr Geld zur Entlastung pflegender Angehöriger von Demenzkranken bereitgestellt werden sollte, wie die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege mitteilte. Das ist ein klares Signal an die Politik dafür, dass auch Vater Staat die Leistung pflegender Angehöriger viel mehr wert sein muss, als dies der Fall ist. Die bislang eingeleiteten und geplanten Reformen werden nicht ausreichen.

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