Anspruch und Wirklichkeit

Kommentar: Muttertag in Zeiten des Kita-Streiks

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Am Sonntag wird gefeiert. Muttertag steht im Kalender, und das ist in vielen Familien – bei aller Kritik an der Kommerzialisierung – immer noch ein besonderer Tag. Von Angelika Dürbaum

Umfragen zufolge bereiten 80 Prozent der Deutschen ihrer Mama eine Freude mit einem Geschenk. In Politikerreden wird an diesem Tag wieder viel von Wertschätzung die Rede sein und von der einzigartigen Aufgabe, die Mütter in der Gesellschaft erfüllen. Am Montag wird gestreikt. Bundesweit läuft ein unbefristeter Ausstand in den Kitas, den die meisten Eltern und weite Teile der Politik unterstützen, weil es um die Aufwertung des wichtigen Erzieherberufs geht. Für viele Mütter bedeutet der Streik aber auch, dass der ohnehin schwierige Spagat zwischen Job, Haushalt und Kind/Kindern noch mühsamer wird.

Die Bundesrepublik gibt für hunderte von familienpolitischen Leistungen mehr als 200 Milliarden Euro pro Jahr aus. Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weitgehend problemlos möglich machen, gibt es trotzdem nicht. Besonders schlimm ist es oftmals für Alleinerziehende, die ein Einkommen brauchen, um so tatsächlich das Auskommen für ihre Kinder zu sichern. Ein Blick in andere Länder zeigt, es geht durchaus anders. Diese Gemengelage kennen alle Verantwortlichen seit Jahren. Konsequenzen werden aber nicht gezogen, weder von der Politik noch von der Wirtschaft. Es reicht nicht, am Sonntag die Mütter zu preisen und sie am Montag, wenn es drauf ankommt, mit allen Problemen alleine zu lassen. Selten war das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit so deutlich.

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