Obama sagt Treffen mit Putin ab

Kommentar: Neue Verhärtungen

Es ist ein Krieg der Worte, und dabei wird es im direkten Kräftemessen auch bleiben. Aber er zeigt, wie angespannt und angeheizt die Lage ist. Von Werner Menner

Die Gefahr einer Verschärfung des Konflikts zwischen Moskau und Washington auf den zahlreichen Konfliktherden wächst. Die Fronten verhärten sich bedenklich. Dass Putin dem US-Spionage-Enthüller Snowden Asyl gewährt hat, dürfte kaum jemanden überrascht haben. Eine derart einmalige Chance, den USA gegen den Karren zu fahren, konnte sich Putin nicht entgehen lassen. Wäre Snowden Russe, hätten die Amerikaner vielleicht geschickter, aber ganz sicher nicht anders gehandelt.

Es gehört zu den Regeln des Machtpokers, dass Obama dem Kremlherrn nun vorwirft, in die Mentalität des Kalten Krieges zu verfallen. Putin hätte im umgekehrten Fall nicht anders reagiert - aber am Pranger stehen in diesem Fall nunmal die Methoden der technisch wohl überlegenen USA, und nicht die Russen. Obama hat lange gezögert. Und wenn seinen harten Worten nun die Absage eines Treffens mit Putin in Moskau folgt, so ist dies nur konsequent. Am G20-Gipfel im Herbst in St. Petersburg will der US-Präsident teilnehmen, Obama schlägt also nicht alle Türen zu - und das wiederum ist beruhigend.

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