Niedriglohn

Kommentar: Zu viele für zu wenig

Das muss aufschrecken: Seit Jahren diskutieren Gewerkschaften, Parteien und Arbeitgeber über die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns und parallel dazu wächst der Niedriglohnsektor immer weiter. Von Peter Schulte-Holtey

In Deutschland arbeitet inzwischen ein Fünftel der Beschäftigten zu Niedriglöhnen.

Die Gründe für diese dramatische Entwicklung sind überall spürbar. Viele Firmen haben den Arbeitgeberverband verlassen oder sind gar nicht erst eingetreten - vor allem im Dienstleistungsbereich - und zahlen nicht mehr nach Tarif, sondern deutlich schlechter. Und Unternehmen führen bestimmte Tätigkeit nicht mehr selber durch, sondern geben sie an billigere Subunternehmer und Sub-Subunternehmer.

Arbeit, die nicht zum Leben reicht, darf aber nicht zum Regelfall werden. Betriebsmodellen, die auf Dumpinglöhne setzen, muss Einhalt geboten werden.

Gestern hat die große Koalition in Thüringen eine Bundesrats-Initiative für einen bundeseinheitlichen Mindestlohn gestartet. Der Vorstoß der CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ist mutig und sollte viele Anhänger in der Union finden. Und Erfahrungen bei unseren Nachbarn in Europa zeigen, dass die Angst, der einheitliche Mindestlohn könnte massenhaften Jobverlust provozieren, unbegründet ist.

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