Wir sind nicht Nobelpreisträger

Kommentar: Titel gehört den USA

Ein in den USA forschender gebürtiger Deutscher erhält den Medizin-Nobelpreis. Das ist eine willkommene Gelegenheit zur Wiedereinbürgerung, zur Auffrischung von Ruhm und Ehre deutscher Forschung. Schon sind viele versucht, dieser hierzulande einen Lorbeerkranz zu flechten, eine Verbiegung sondergleichen. Von Frank Pröse

Warum wohl suchen die Eliten ihr Heil immer öfter an ausländischen Hochschulen? Zum einen ist dort Geld für eine Forschung da, die sich nicht in Belanglosigkeiten verlieren will, sondern sowohl auf die Kreativität als auch auf die Exzellenz gesunden Druck ausübt. Ambitionierte Forscher stellen sich dieser Herausforderung, nutzen die sich an amerikanischen Eliteuniversitäten ergebenden Chancen, statt innerhalb der zugegeben besonders ausgewogenen deutsche Hochschullandschaft mit angezogener Handbremse in der Breite zu forschen. So aber werden potenzielle Nobelpreisträger exportiert.

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Das deutsche Wissenschaftssystem hat insofern an den Arbeiten Südhofs keinen Anteil. Gleichwohl sollte es nicht in Bausch und Bogen verdammt werden. Denn in Relation zum hierzulande eingesetzten Forschungsgeld kann sich die Zahl der Nobelpreise mit deutschem Stempel durchaus sehen lassen. Auch haben bereits ausländische Preisträger an deutschen Instituten wie Max-Planck und Leibniz oder in Jülich geforscht, stehen unter anderem diese Einrichtungen in Deutschland international auf hohem Niveau. Ihr Handicap ist eher die typisch deutsche Bürokratie, die Kreativität, Innovation und Flexibilität über die Maßen behindert.

Letztlich ist die deutsche Frage unerheblich. Denn in der Wissenschaft ist ohnehin grenzüberschreitend, internationaler Austausch üblich, abzulesen eben auch am jüngsten Nobelpreis. Und der ist die weltweite Aufmerksamkeit erst wert, wenn die Menschheit von den gewürdigten Forschungsergebnissen profitiert.

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