Resultate und neue Fragen

Kommentar: Norah-Studie vorgelegt

Würden Sie - angesichts dieser Resultate - eigentlich Ihre eigenen Kinder noch in eine Schule schicken, die in einem durch Fluglärm hochbelasteten Gebiet liegt?“, wurde Prof. Dr. Ing. Johann-Dietrich Wörner gestern bei der Vorstellung der Ergebnisse der Norah-Studie zu den Auswirkungen von Fluglärm auf Kinder gefragt. Von Michael Eschenauer

Der Vorstand des Forums Flughafen und Region warnte daraufhin vor „Schnellschüssen“ und populistischen Schlussfolgerungen. Er muss dies auch, ist er doch Vertreter eines in hohem Maße auf konsensuale Vorgehensweisen festgelegten Gremiums, das sich dem „Dialog zwischen der Region und der Luftverkehrswirtschaft“ widmet. Recht hat er mit seiner Anregung, die Ergebnisse dieser Studie, der höchste wissenschaftliche Qualität bescheinigt wurde, zu prüfen und in die Debatte über künftige Maßnahmen für mehr Lärmschutz einfließen zu lassen.

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Dennoch: Die Ergebnisse, die zum großen Teil von statistischen Störfaktoren gereinigt wurden, sind alarmierend. Fluglärm behindert die Lernerfolge von Schulanfängern beim Lesen - nicht nur ein bisschen, sondern erkennbar. Auch wenn - dies sei der Fairness halber nicht verschwiegen - die Forscher betonen, dass es wichtigere Einflussfaktoren für den Lese- erfolg gebe als den Fluglärm, und Schüler von „Lärmschulen“ ebenso häufig aufs Gymnasium wechseln wie der Rest.

Trotzdem darf angenommen werden, dass sich die Verzögerungswirkung des Fluglärms nicht nur aufs Lesen beschränkt. Wenn ein Kind gerade mal seit zwei Jahren Lesen lernt, ist ein Rückstand von zwei Monaten eklatant und wird sich im schlimmsten Fall durch die Schulkarriere fortsetzen. Die negativen Auswirkungen des Fluglärms auf die subjektiv empfundene und die objektive Lernsituation in den Schulen dürften nach dieser Studie kaum noch zu bestreiten sein.

100. Montags-Demo im Flughafen

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Was bleibt, ist die Frage nach den Schlussfolgerungen. Diese müssen arm an Hektik sein, aber doch zügig erfolgen. Denn immerhin geht es bei den Kindern um kostbaren Rohstoff. Einem Zweitklässler, der unter Fluglärm leidet, wird man nicht vertrösten können auf Maßnahmen, die in 10 bis 20 Jahren wirken. Das Wegsperren hinter Schallschutzfenster scheidet als Lösungsmöglichkeit wahrscheinlich ebenso aus wie das Verlegen ganzer Flugrouten. Und, klar, die Wissenschaftler wollen weiter forschen. Eines ist sicher: Die Norah-Studie hat die Lösungssuche beim Lärm rund um den Frankfurter Flughafen nicht einfacher gemacht.

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