Normverbrauch von Neuwagen

Kommentar: Ungeheure Blamage

Dass die Verbrauchswerte aus der Autowerbung oftmals sehr geschönt sind, weiß inzwischen wohl jeder Kunde. Regelmäßig berichten ja Autozeitschriften, der Testverbrauch liege erheblich über den Herstellerangaben. Von Peter Schulte-Holtey

Überraschend sind die jetzt bekannt gewordenen Untersuchungsergebnisse der Deutsche Umwelthilfe wegen der zunehmenden Dreistigkeit der Hersteller. Durchschnittlich verbrauche ein Auto knapp ein Viertel mehr als unter Normverbrauch angegeben, ergab die Studie des Vereins. Sollte der Vorwurf stimmen, wäre es eine ungeheure Blamage für die deutsche Automobilindustrie und eine üble Kundentäuschung.

Die Konzerne verweisen nun sicherlich auf gesetzlich vorgegebene Messmethoden. Genau um diesem Punkt geht es aber. Denn der seit 1996 in der EU gültige Normverbrauch wird unter Laborbedingungen auf einem Rollenprüfstand ermittelt. Mit den Verhältnissen im echten Straßenverkehr hat das wenig zu tun. Die Autohersteller arbeiten offenbar mit vielen Tricks: So werden besonders rollwiderstandsarme, mit stark erhöhtem Luftdruck befüllte Spezialreifen eingesetzt. Ausstattungselemente werden bezüglich ihres Gewichts optimiert oder schlicht ausgebaut und Kühlergrill bzw. Türschlitze verklebt, um die Aerodynamik zu verbessern.

Was hilft? Dass die Kunden bei enttäuschendem Praxisverbrauch die Spritschlucker den Herstellern wieder vor die Tür stellen, müssen diese kaum befürchten. Die Beweisführung ist viel zu komplex. Mit anderen Worten: Nur die Politik in Berlin und Brüssel wird es richten können, nur eine Umstellung der merkwürdigen Messmethode zugunsten einer realitätsnahen Ermittlung des Spritverbrauchs kann die Verbraucher in Zukunft besser schützen.

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