Der Papst beim Weltjugendtag

Kommentar: Neue Wege

Papst-Party, Mega-Wallfahrt, katholisches Woodstock - für die Auftritte von Papst Franziskus beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro scheint kein Superlativ zu groß. Von Angelika Dürbaum

In der Tat rüttelt der Pontifex bei seiner ersten großen Reise auf, redet Tacheles, beschreitet neue Wege. Anders als sein Vorgänger Benedikt, der auf Auslandsvisiten gerne mit Reden auf höchstem theologischem Niveau glänzte und seiner Kirche zur „Entweltlichung“ riet, gibt der Neue aus Rom der an der Copacabana versammelten Jugend konkrete Anweisungen für ihr tägliches religiöses Leben: „Macht Krach“, „Mischt euch ein“, „Seid Protagonisten, spielt nach vorne, geht nach vorne, baut eine Welt der Gerechtigkeit, der Liebe, der Brüderlichkeit, der Solidarität“. Auch seinen Bischöfen und Priestern rät er unmissverständlich: „Verlasst die Kirche“ und predigt in der Mitte der Gesellschaft.

Und da wird es spannend. Die jungen Katholiken, die in ihren Pfarreien oft genug mit Missbrauchsskandalen, Kirchenaustritten, Priestermangel und der Verteidigung von alten Pfründen konfrontiert sind, die ob ihrer Religion den Spott der Gleichaltrigen ertragen müssen, sie wollen ihren Glauben trotzdem leben und feiern Franziskus für seine Ermutigung wie einen Popstar. Aber wird der Klerus und vor allem die Kurie in Rom die von Franziskus nun eingeschlagenen Wege mitgehen?

Nach den Feiertagen in Rio beginnt heute wieder die Kärrnerarbeit in Rom. Doch mit seinen Auftritten in Südamerika hat Franziskus viele Hoffnungen auf eine Erneuerung der katholischen Kirche geschürt.

Papst Franziskus begeistert am Zuckerhut die Massen

Bilder: Papst Franziskus begeistert am Zuckerhut die Massen

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