Die „Alternative für Deutschland„

Kommentar zu AfD: Viel aufs Spiel setzen

Sie sind gegen den Euro, wollen die Demokratie weiterentwickeln und Politik als Selbstzweck bekämpfen: Die Themen der „Alternative für Deutschland“ sprechen viele enttäuschte Wähler - vor allem im konservativen Lager - an. Von Peter Schulte-Holtey

Inzwischen erkennt auch Volker Bouffier die Gefahr für seine Partei; er fordert die CDU auf, die „Alternative“ ernst zu nehmen. In der Gruppierung sind ja auch viele ehemalige CDU-Anhänger organisiert. Konservative, die auf Distanz zur pragmatisch hin und her pendelnden Union Angela Merkels gegangen sind, treffen dort auf altgediente Ex-Christdemokraten wie den früheren hessischen Staatskanzlei-Chef Alexander Gauland.

Inzwischen gibt es viele, die sagen, dass die CDU am 22. September nicht so sehr die SPD und deren schwächelnden Spitzenkandidaten fürchten muss, sondern die „Alternative“. Selbst bei einem Wahlergebnis von zwei Prozent könnte die neue Gruppierung Union und FDP die Mehrheit kosten und die Liberalen möglicherweise unter die Fünf-Prozent-Schwelle drücken. Und wie ist es mit den Inhalten? Wer mit den „neuen Wutbürgern“ sympathisiert, sollte beachten, dass sie auf entscheidende Fragen keine plausiblen Antworten haben: Wie könnte ein Europa ohne den Euro aussehen und welchen - mit größten ökonomischen Risiken einhergehenden - Rückweg zur D-Mark soll man denn einschlagen?

Ein wichtiger Einwurf in der Diskussion über die Ziele der neuen Partei kommt auch von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Er setzt sich vehement für die Bewahrung des Euro ein, sieht Europa am Scheideweg. Der liberale Mahner hat recht: Wer die vielen sogenannten Formelkompromisse in der Europäischen Union nicht mehr hinnehmen will, sollte beachten, dass bei einer „Rolle rückwärts beim Euro“ das große Einigungswerk als Ganzes aufs Spiel gesetzt wird.

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