Kommentar: Warnzeichen aus Leipzig

Wenn die Floskel vom ehrlichen Wahlergebnis jemals angemessen war, dann beim Blick auf die Vorstandswahlen der SPD in Leipzig. Angesichts des zweitschlechtesten Wahlergebnisses in der Geschichte der Bundesrepublik sind die Denkzettel für die Parteispitze nur folgerichtig. Von Wolfgang Blieffert

Denn das Wahlergebnis vom 22. September kam ja nicht nur zustande, weil das Programm der SPD kaum überzeugte, sondern weil auch die handelnden Personen einfach einen schlechten Wahlkampf inszenierten.

Und weil ein Großteil der Basis offenbar partout nicht die Koalition mit der Union will, wurde das Führungspersonal mit Ausnahme des hessischen Neueinsteigers Thorsten Schäfer-Gümbel abgestraft: Es traf einen Agenda-Befürworter wie Olaf Scholz ebenso wie eine Hannelore Kraft, die erst vehement gegen die große Koalition war und nun doch dafür arbeitet. Parteichef und Generalsekretärin sowieso.

Die Wahlen von Leipzig sind deshalb eine zweifache Warnung: Zum einen an die SPD-Führung, ja einen vernünftigen Koalitionsvertrag auszuhandeln. Andernfalls fällt er bei der Mitgliederbefragung durch. Zum zweiten muss die Kanzlerin gewarnt sein: Sie bekommt es mit einem Koalitionspartner zu tun, dessen Basis lieber heute als morgen wieder von der Fahne gehen würde.

Rubriklistenbild: © op.online.de

Kommentare