Plan gegen Assads Chemiewaffen

Kommentar: Wechsel der Rollen

Die Pläne für einen US-Militärschlag sind auf Eis gelegt, das Assad-Regime will seine Chemiewaffen vernichten lassen - und Kremlchef Putin, der Blockierer von gestern, wird plötzlich zum Vermittler. Von Werner Menner

Der Kreml punktet auf Kosten des Weißen Hauses und eines US-Präsidenten, der zum Kriegstrommler mutierte und sich nun bemühen muss, als Mitspieler im Nahen Osten auf dem Feld zu bleiben. Obamas „rote Linie“ wurde zum Bumerang. Der im Zick-Zack-Kurs navigierende Präsident ist mit einem blauen Auge davongekommen. Auf der Strecke bleibt Syrien.

Die Russen wollen den USA einen Vier-Stufen-Plan zur Vernichtung von Assads Chemiewaffen unterbreiten. Das klingt positiv. Und das Regime in Damaskus wird wohl mitspielen: Es erkauft sich damit sein Überleben. Besser noch für Assad: Die beiden Großmächte, die seinen Sturz wegen der dann folgenden Unwägbarkeiten und eines Rebellen-Konglomerats mit vielen terroristischen Elementen ohnehin nicht wollten, sichern den Bestand seines Regimes. Mit der Abgabe oder Vernichtung seiner Chemiewaffen erkauft er sich freie Hand gegen die Aufständischen, die seit Wochen immer stärker in die Defensive geraten.

Die Rebellen dürften schon bald vor der Wahl zwischen Aufgeben und Kämpfen stehen. Die besseren Überlebenschancen haben sie, wenn sie kämpfen. Woraus folgt: Ein friedliches Ende des Bürgerkriegs ist nicht in Sicht.

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