Kommentar: Respektloser Auftritt

+
Wolfgang Blieffert

Norwegen stehen aufwühlende Tage bevor. Schon der Auftakt des Prozesses gegen Anders Behring Breivik ließ die Erinnerung an den Alptraum vom 22. Juli 2011 wieder wach werden, jene Tat, die mit dem Adjektiv monströs versehen wird, aber doch von einem Menschen verübt wurde.

Breiviks Auftritt war eine Zumutung für die Angehörigen der 77 Toten. Er zeigte weder Respekt noch Reue, kommentierte die Schilderung des von ihm angerichteten Grauens mit zynischem Lächeln. Wenn er ab heute zur Sache aussagt und seine wirren Thesen über eine Islamisierung Norwegens darlegt, wird das nur schwer zu ertragen sein.

Aber der demokratische Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass er im Angesicht von Provokationen und Propaganda nicht von seinen Prinzipien abrückt. Sogar einem Massenmörder steht ein ordentliches Verfahren zu.

Der Prozess wird aber auch Fragen nach Fehlern und Versäumnissen aufwerfen. Nach Polizeipannen etwa, die in der Stunde der Solidarität verschwiegen wurden. Und nach den Ursachen des Hasses, die nach der Tat ausgeblendet wurden. Im Umgang mit diesen quälenden Fragen und ihren Antworten muss sich beweisen, inwieweit sich Norwegen seiner inneren Werte von Demokratie und Humanität weiter gewiss ist.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare