Entspannung nicht in Sicht

Kommentar zu den Rassen-Unruhen in Ferguson

Der Fall des erschossenen Michael Brown ist kein Einzelfall. Erst vor einem Jahr wurde George Zimmerman freigesprochen, der den unbewaffneten Trayvon Martin erschossen hatte. Damals haben die Menschen vor dem Gericht geweint und das Ende des Rechtsstaates erklärt. Von Eike Rüdebusch

Für Schwarze in Amerika ist dies eine häufige Erfahrung. Laut dem Nachrichtenmagazin „Mother Jones“ sind allein im vergangenen Monat mindestens vier schwarze, unbewaffnete Männer von der Polizei getötet worden.

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Generell zeigt sich der durch die Polizei und die Gerichte vertretene Rechtsstaat nicht gerade als Freund der schwarzen Bevölkerung. Allein in Ferguson, wo 67 Prozent der Einwohner schwarz sind, aber nur drei von 53 Polizeibeamten, stehen Schwarze unter Generalverdacht: 86 Prozent der Verkehrskontrollen betreffen Schwarze, sowie 92 Prozent der Personenkontrollen und 93 Prozent der Verhaftungen. Die Menschen in dem Ort - wie vielerorts in den USA - sehen die Polizei als Bedrohung, nicht als Ordnungshüter. Und das nicht erst seit den Schüssen auf Michael Brown.

Die Taktik von Polizei und Regierung, den Schützen erst nicht zu benennen, das Opfer durch Diebstahlvorwürfe zu diskreditieren und jetzt sogar die Nationalgarde einzubestellen und damit Ferguson quasi zu einem Kriegsgebiet zu machen, wird die Lage nicht entspannen und kein Vertrauen schaffen. Im Gegenteil. Richtig wäre es stattdessen, offen mit dem Fall umzugehen, Deeskalation zu suchen und das Rassismusproblem im Rechtssystem zu thematisieren. Nur so kann dauerhaft Spannung aus der Gesellschaft genommen werden. Nicht nur in Ferguson.

Rubriklistenbild: © © Andreas Rother

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