Kommentar: Die Wirtschaft will Bürokratie

Als ob die deutschen Unternehmen keine anderen Probleme hätten: Die mittelständische Wirtschaft will Raucherpausen am Arbeitsplatz abschaffen. Der Vorschlag ist bestenfalls als unausgegoren zu bezeichnen.

Denn: Die „empfindliche Störung“ des Arbeitsablaufes, die Verbandssprecher Mario Ohoven ausgemacht haben will, kann wohl nur erkennen, wer sein Humankapital im Streben nach Produktivitätssteigerung am liebsten an den Schreibtisch ketten würde.

Auch die Behauptung, Rauchpausen seien ungerecht gegenüber Nichtrauchern, zieht nicht. Was ist mit Kaffee- oder Quasselpausen? Wollen wir am Ende den Gang zur Toilette regulieren? Verblüffend, dass ausgerechnet die mittelständische Wirtschaft zum Bürokratie-Fan wird.

Längst gibt es allerorten Betriebsvereinbarungen, die in der Regel bestens funktionieren. Zudem sollte Ohoven bedenken: In vielen Berufen und Branchen gibt es ohnehin keine exakte Arbeitszeiterfassung. In der Regel zu Gunsten der Arbeitgeber. Auf die Minute oder auch Stunde zu schauen, gilt dort als Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert. Würden Rauchpausen verboten, könnten die Betroffenen Dienst nach Vorschrift machen ...

Klar übrigens, dass Ohoven seinen Vorstoß in „Bild“ präsentierte - das Blatt, das die Medienpräsenz seiner Tochter Chiara als Society-Sternchen nach besten Kräften fördert. Vor einigen Jahren durfte Chiara Ohoven dort gar als Urlaubsvertretung die Klatschkolumne füllen. Da gehören Papas Vorschläge auch hin.

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