Kommentar zur Rente: Halbe Rolle rückwärts

Wer will es ihnen verdenken? Tausende Arbeitnehmer nutzen die Chance der abschlagsfreien Rente mit 63. Das Rentenpaket der Großen Koalition macht’s möglich. Von Angelika Dürbaum

Dabei ist die Regelung noch nicht einmal in Kraft, sie wird erst zum 1. Juli wirksam. Während die Arbeitgeber ihre Befürchtungen eines drohenden Arbeits- und vor allem Fachkräftemangels bestätigt sehen, wiegelt die Politik ab: Es gebe schließlich keine „Rente mit 63“, sondern lediglich eine Rente nach 45 Versicherungsjahren, die man ab 63 ohne Abzüge antreten könne.

Tatsache ist: Noch vor wenigen Jahren wurde von der Politik der Einstieg in die Rente mit 67 als einzige dauerhafte Lösung aller demographischen und finanziellen Probleme rund ums Thema Ruhestand propagiert. Nun erfolgt eine halbe Rolle rückwärts. Damit ist aber weder Arbeitgebern noch Arbeitnehmern wirklich gedient, denn die brauchen vor allem eins: Verlässlichkeit.

Es muss endlich ein Konzept auf den Tisch - mit Lösungen, die nicht nur die Klientel der jeweils amtierenden Regierung bedienen. Eines wird schon diskutiert: die Flexi-Rente. Wer früher raus will aus dem Berufsleben, muss gewisse Abschläge in Kauf nehmen; wer sich mit 67 Jahren fit genug fühlt, kann unter bestimmten Voraussetzungen weitermachen. Dieser Ansatz sollte weiterverfolgt werden. Denn er ist allemal besser als die von den Gewerkschaften wieder ins Gespräch gebrachte Rente mit 60, die nur ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft ist.

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