Anhaltende Debatte um die Rente

Kommentar: Weg mit den Altersgrenzen

Jede Rentendebatte lebt von Zahlen. Mal geht es um die Höhe der Anpassungen, mal ums Renteneinstiegsalter und mal um die Höhe der Abschläge beim Eintritt in den Ruhestand vorm Regeltermin. Von Frank Pröse

Aktuell geht es um die Rente mit 63 (nach 45 Arbeitsjahren!), um Kosten, Generationen-Ungerechtigkeiten und die Gefahren einer Frühverrentungswelle. So könnten Arbeitnehmer schon mit 61 aus dem Berufsleben aussteigen und dann mit zwei Jahren Arbeitslosengeld die Zeit bis zur Rente überbrücken. Die Debatte verliert sich hier freilich auf einem Nebenkriegsschauplatz.

Gleichwohl melden sich munter auch jene zu Wort, die das System am eigenen Leib gar nicht zu spüren bekommen, weil sie zu den Privilegierten gehören, die nicht in die Rentenkasse einzahlen müssen, wie beispielsweise der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU), der die Rentenpolitik der schwarz-roten Koalition in Berlin kritisiert und erklärt, statt über die abschlagsfreie Rente mit 63 müsse über eine Erhöhung der Altersgrenze auf 70 Jahre nachgedacht werden. Dass Menschen mit 58 Jahren aus der Arbeitslosenstatistik herausfliegen und bereits jenseits der 50 kaum eine Anstellung in Vollzeit finden, ficht den gelernten Anwalt nicht an. Derlei plakative Vorschläge entpuppen sich in der betrieblichen Wirklichkeit als Luftnummern, sind Ausdruck von Hilflosigkeit und schüren das Vorurteil, dass von zur EU entsorgten Politikern zu oft nicht viel Substanzielles zu erwarten ist.

Wenn dem so wäre, dass Ältere nach den Frühverrentungswellen vergangener Jahre jetzt auf einmal wieder gebraucht würden, dann fragt es sich doch, warum so wenig Ältere eingestellt, so viele aber via Arbeitsagenturen zwangsverrentet werden. Niemand wird gezwungen, ältere Mitarbeiter auf die Straße zu setzen oder sie gar nicht erst einzustellen. Insofern könnte ein Umdenken bei vielen Arbeitgebern auch gegen den beklagten Facharbeitermangel helfen. Wenn dann noch die flexible Rente eingeführt würde, bei der sich jeder für Vollzeit oder Teilzeit entscheiden und seinen persönlichen Renteneintrittstermin aussuchen kann, dann würde die Beschäftigung Älterer zum Normalfall. Die Betroffenen hätten außerdem nicht das Gefühl, zum Alten Eisen zu gehören, nur weil sie ein von Politikern festgesetztes Alter überschritten haben.

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Der Sozialwissenschaftler und Publizist Meinhard Miegel fordert die völlige Abschaffung der Altersgrenzen für den Rentenbeginn, weil diese nicht der Realität entsprächen. Recht hat er. Da das gegenwärtige Rentensystem indes ein leistungsbezogenes System sei, müsse ein aus Steuern finanzierter Ausgleich geschaffen werden für Menschen, die nach einem harten Arbeitsleben früher in Rente gehen müssen als andere. Diese Berufsgruppen müssten zusätzlich versorgt werden. Das müsste zu schultern sein, schließlich bietet das Miegelsche Prinzip ja auch Einsparpotenzial. Es lohnt sich bestimmt, hier mal Zahlen genannt zu bekommen.

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