Rentenpaket

Kommentar: Politmurks zum Gruseln

Gewiss, der Wunsch der Union nach Ausweitung der Mütterrente ist kostspieliger als der Wunsch der SPD nach Einführung der Rente mit 63. Von Tibor Pézsa

Doch der Streit um die Rentenpläne der Großen Koalition fokussiert sich aus gutem Grund nicht auf die Mütterrente, sondern auf die Rente mit 63. Die bessere Anrechnung von Erziehungszeiten auch für ältere Mütter mag zwar teuer sein. Aber sie ist gerecht. Die Anrechnung von Erziehungsleistungen im Rentensystem müsste eigentlich noch viel höher ausfallen. Die Rente mit 63 ist dagegen Politmurks zum Gruseln, eine naive Vorstellung von SPD-Linken, die nicht verstanden haben, dass Steuern und Beiträge erst einmal erwirtschaftet werden müssen, bevor sie von Politikern umverteilt werden können.

Je nach Interessengruppe geht es nun hoch her. Das ändert nichts am Grundfehler: Die Rente mit 63 ist ungerecht, weil sie die junge Generation gegenüber einer privilegierten Auswahl von Älteren benachteiligt. Dabei knirscht es auch schon ohne neue Wohltaten im Rentensystem. Wer heute Rente bekommt, musste dafür früher vielfach nur Rentenbeiträge von 17 bis 18 Prozent bezahlen. Heutige Arbeitnehmer dagegen bezahlen für eine geringere Rentenerwartung höhere Beiträge: 18,9 Prozent, die bis 2030 auf 22 Prozent steigen sollen bei einem immer höheren Steuerzuschuss. 80 Milliarden Euro sind es mittlerweile, es ist der größte Ausgabenposten im Bundeshaushalt.

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Mehr einzahlen, weniger bekommen: Wer früher 45 Jahre lang Beiträge zahlte und durchschnittlich verdiente, konnte mit einer Rente von 50 Prozent des letzten Bruttoeinkommens rechnen. Geht es nach den Plänen von Ministerin Andrea Nahles, schrumpft dieser Wert bis 2030 auf 44 Prozent. Und: Heutige Rentner werden durch die Pläne der Ministerin um künftige Rentenerhöhungen gebracht.

Immer mehr Alte, immer weniger Junge - Union und SPD müssten unser Rentensystem wetterfest machen. Doch sie tun das Gegenteil: Raubbau am Sozialstaat.

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