Rücktritt von Matthias Platzeck

Kommentar: Verletzlich geblieben

Es gibt Politiker, bei denen es trotz aller Menschelei schwer fällt, den Menschen zu entdecken. Und es gibt eine rare Spezies: Den Politiker, den man sofort als Menschen wahrnimmt und der einem auf Anhieb sympathisch ist. Matthias Platzeck war so einer. Von Ullrich Riedler 

Kein Technokrat oder Theoretiker, sondern einer mit politischer Intelligenz, Empathie und Sinn für Genussfreude. Solche Menschen werden schnell zu Hoffnungsträgern. Ihr Scheitern schmerzt umso mehr.

Platzeck, der gelernte Ingenieur, der über die Grüne Partei der DDR zur SPD kam und sich 1997 als Krisenmanager bei der Oder-Flut die ersten Meriten erwarb, war wohl zu sensibel für das Politikgetriebe. Der Tiefpunkt: Die nur 146 Tage dauernde Amtszeit als Bundesvorsitzender traf seine SPD ins Mark. Zwei Hörstürze und ein Zusammenbruch zwangen ihn zum Rückzug. Viel Kritik musste Platzeck zuletzt einstecken. Dass er in Brandenburg mit der Linkspartei koalierte, nahmen ihm sogar Genossen übel. Und als Aufsichtsrat des Skandalflughafens BER musste er für das Debakel geradestehen. Auch insgesamt wirkt Platzecks politische Bilanz eher mager.

Daher ist sein Abtritt nach elf Jahren als Ministerpräsident nur folgerichtig. Im Spannungsfeld von angeschlagener Gesundheit und politischem Erwartungsdruck hat er keine Perspektive mehr für sich gesehen. Insofern – und das mag sein wahres Drama sein – ist der einstige Hoffnungsträger Matthias Platzeck eines der großen uneingelösten Versprechen der Politik geblieben.

Rubriklistenbild: © op-online

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare