Der Rubel rollt

Kommentar: Russen kaufen RWE-Öltochter DEA

Genau ein Jahr ist es her, dass die Kanzlerin Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas und Öl zu reduzieren versprach. Seither ist viel passiert: Die Krim ist annektiert. Die Ukraine zerschlagen. In Moskau wird am Freitag ein Regimekritiker auf offener Straße erschossen. Von Georg Anastasiadis

Und, ach ja: Zwei Tage später verhökert der RWE-Konzern seine Öl- und Gasfördertochter Dea für fünf Milliarden Euro – an einen russischen Oligarchen. Gegen den heftigen Protest Großbritanniens. Aber mit dem Segen der Bundesregierung.

Angela Merkel tritt dem russischen Präsidenten gegenüber als Verhandlungsführerin des Westens auf, doch sie verhandelt aus einer Position der Schwäche und der Erpressbarkeit. Der Herr im Kreml lacht sich doch tot, wenn ihn die Chefin der europäischen Führungsmacht demnächst wieder streng ermahnt, sein Spielzeug Ukraine bitte nicht kaputtzuschlagen – während sie seelenruhig zusieht, wie die Abhängigkeit Deutschlands von russischer Energie weiter wächst. Das ist gerade so, als ob ein Junkie seinem Dealer droht, ihm keinen Stoff mehr abzukaufen.

Putin hat, (noch) mit Ausnahme Mariupols, die meisten seiner Kriegsziele erreicht. Das gilt auch für das Inland, wo Kritiker ab sofort in Todesangst leben. Dabei hat er seine schärfste Waffe, den Gashahn, noch gar nicht einsetzen müssen. Menschen sterben. Aber der Rubel rollt.

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