Es gibt nur Verlierer

Kommentar zu Russlands Atompolitik

Die Extreme berühren sich, lautet ein französisches Sprichwort. Und es trifft zu. Wir erleben es derzeit in gefährlichen Muskelspielen – rhetorisch wie sachlich – zwischen Russland und der Nato. Und umgekehrt. Das Wettrüsten, so scheint es, hat wieder einmal begonnen. Von Werner Menner

Und vieles im Ton zwischen Kreml und Nato erinnert an die unseligen Zeiten des Kalten Krieges. Noch sind es verbale Attacken. Aber auch militärische Konflikte beginnen so. Die Schuldigen in nur einem Lager zu suchen, macht wenig Sinn. Beide Seiten üben sich in Säbelgerassel. Wen will Generalsekretär Stoltenberg beeindrucken, wenn er tönt, die Nato sei in der Lage, allen Herausforderungen zu begegnen? Putin? Oder sich selbst? Und was soll das Beschwören der Nato-Russland-Akte, die eine dauerhafte Präsenz von Kriegstechnik in Osteuropa untersagt, durch Putin? Es sind die Panzer und Kanonen des Kreml, mit denen der Ostukraine-Konflikt bestritten wird, und vor denen die osteuropäischen Länder zittern.

Es ist taktisch unklug, wenn die USA laut darüber nachdenken, schwere Waffen im Osten des Nato-Gebiets zu stationieren. Dass Moskau darauf aber mit der Atomkeule, „mit mindestens 40 Interkontinental-Raketen“ reagieren will, ist so unsinnig wie gefährlich. Wen will Putin damit beeindrucken? Die USA? Oder sich selbst? Kriege sind atomar nicht mehr zu gewinnen, und Konflikte mit Waffengewalt allein nicht lösbar. Es gibt nur Verlierer. Ein bisschen mehr Realitätssinn und Vernunft wären nützlicher – und beruhigender. Auf beiden Seiten.

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