Kommentar zur schleppenden Afrika-Hilfe

Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, dann ist das Geschrei groß. Nach Wochen des Zögerns überbieten sich plötzlich Regierungen wie internationale und nationale Organisationen mit Appellen und Vorschlägen, wie der von der Ebola-Epidemie betroffenen Bevölkerung in Westafrika besser als bisher geholfen werden könnte. Von Frank Pröse 

Die UN schätzen, dass sie binnen sechs Monaten eine Milliarde US-Dollar zur Eindämmung der Epidemie benötigen. Auch wenn die Bundesregierung jetzt ihre Finanzhilfe auf mehr als 30 Millionen Euro aufstockt - ist das nicht einmal der Tropfen auf den heißen Stein. Zum Vergleich: Die geplanten Waffenlieferungen in den Nordirak haben ein Volumen von 70 Millionen Euro und die Banken wurden mit einigen Milliarden quasi übers Wochenende gerettet. So blamiert sich eines der wohlhabendsten Länder dieser Erde, die freilich allesamt bisher versagt, ihre Versprechen gegenüber der Weltgesundheitsorganisation nicht eingehalten haben. Nach Empfehlung der WHO sollen die Industrieländer 0,1 Prozent ihres Bruttosozialprodukts in medizinische Infrastruktur in Entwicklungsländern stecken. Nur wenige erfüllen diese Vorgabe, Deutschland beispielsweise hat 2013 gerade einmal 0,003 Prozent in diesem Sinne investiert.

In die Röhre gucken die Armen und Infizierten. Jeder weiß es. Und dennoch werden regierungsamtlich Almosen akzeptiert für eine Krisenregion, in der nahezu flächendeckend um das Überleben einer Epidemie gekämpft wird. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat dazu aufgerufen, mehr zur Bewältigung der Krise beizutragen als bisher. Er schätzt, „dass wir die Anstrengungen verzwanzigfachen müssen.“ An diesem Ziel schießt die Bundesregierung bisher weit vorbei. Die Kanzlerin ist dafür verbal auf der Höhe der Zeit, äußert sich besorgt über die Entwicklung und spricht von einem „dramatischen Verlauf“. Vielleicht erhöht das ja die Spendenbereitschaft in Deutschland, wiewohl die vielen aktuellen Krisen derzeit potenzielle private Geldgeber überfordern können. Und noch ist das Leid weit weg.

Kommentare