Elternhaus gefordert

Kommentar: Schüler und Alltagsprobleme

Pisa, mit diesem Akronym lässt sich die Bildungslandschaft schön durcheinanderwirbeln. Der fehlerhafte Grundgedanke dieser internationalen Schulleistungsuntersuchungen liegt in der Überzeugung, Bildung standardisieren zu können. Das gilt umso mehr, wenn alltags- und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten gemessen werden. Von Frank Pröse

Wenn 20 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland an Alltagsproblemen scheitern und die Quote international einem oberen Mittelplatz entspricht, dann lässt sich bestimmt nicht daraus folgern, dass der Pisa-Schock hierzulande überwunden ist. Ebenso unzulässig ist die Aussage, dass die deutschen Schüler hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, die nach den Ergebnissen des Vorjahres in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften möglich schienen. Ungeachtet der Aufgabe Problemlösungskompetenz zu vermitteln gibt es schließlich keinen speziellen schulischen Auftrag, den Jugendlichen den Gebrauch eines Fahrkartenautomaten beizubringen. Dass die „Lernroboter“ aus Asien da besser abschneiden, liegt sicher nicht am schulischen Drill. Eher dürften die Automaten weniger kompliziert sein als ihre Pendants von RMV und Bahn, die nicht wenige erwachsene und talentierte Problemlöser verzweifeln lassen.

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Ein Fünftel der Schüler scheitert an Alltagsproblemen. Sie können nur sehr einfache Aufgaben bewältigen, ohne nachzudenken. Ist das verwunderlich? Wer kommt schon im Alltag zurecht, wenn er zwar das Smartphone beherrscht, nicht aber Grundrechenarten und Rechtschreibung. Insofern unterstützt Wissen auch Kreativität. Grundsätzlich gilt es, Verständnis zu entwickeln und die Fähigkeit, auch dann ein Problem zu bewältigen, wenn es dafür keine Anleitung gibt. Da ist neben der Schule auch das Elternhaus gefragt, das den Nachwuchs öfter mal aus der virtuellen Welt herausholen und mit der Realität konfrontieren muss. Schließlich ersetzt das virtuelle Spiel mit animierten Kühen auch keine Ferien auf dem Bauernhof.

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