Schulstudie

Kommentar: Schallende Ohrfeige

Im Dezember 2001 hatte die internationale Pisa-Bildungsstudie für Aufsehen gesorgt, weil deutsche Schüler auch bei der Lesekompetenz ausgesprochen schlecht abschnitten. Von Peter-Schulte-Holtey

Nun attestiert die jüngste Studie dieser Art mit dem Titel „Chancenspiegel“ den deutschen Schulen zehn Jahre später eine „Stagnation beim Kompetenzerwerb“. Peinlich, peinlich! Es ist eine der schallenden Ohrfeigen in der aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung, die belegen: Die Bildungsreformen kommen längst nicht in der Geschwindigkeit voran, die notwendig wäre.

Besonders heikel ist der auch in Hessen schleppende Ausbau der Ganztagsschulen. Wenn es bei dem jetzigen Tempo bliebe, würde es noch mehr als 50 Jahre dauern, bis genug Plätze für alle Kinder bereit stünden, sagen die Forscher. Dabei machen sie zurecht darauf aufmerksam, dass gerade die für alle Schüler verpflichtende Ganztagsschule gute Möglichkeiten bietet, den Einfluss der sozialen Herkunft auf die Lesekompetenz zu verringern.

So gern in Sonntagsreden und Debatten auf Erfolge verwiesen wird - so wenig hat sich die Bildungspolitik ernsthaft an die Frage heranwagt: Wie können Schulen gerechter werden? Warum? Tja, es kostet sehr viel. Wer optimale Betreuung in den Schulen will, wer individuelle Förderung und mehr Hilfen für Kinder mit Migrationshintergrund möchte, der muss endlich bedeutend mehr Geld für die Bildung ausgeben. Erst dann wird das System tatsächlich durchlässiger.

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