EZB senkt Leitzins

Kommentar: Eine verfehlte Politik

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Mario Draghi hat mal wieder die Finanzbranche überrascht. Die erneute Zinssenkung war nicht erwartet worden. Nun nähert sich das Niveau der Nulllinie. Von Marc Kuhn

Der EZB-Chef zieht im Kampf gegen Wachstumsschwäche und Deflationsgefahr fast alle Register. Auch der Euro fällt immer weiter. Das freut zwar exportierende Unternehmen. Die Konjunktur hat dies aber bisher nicht angeschoben. Ohnehin sind Zweifel an der Politik der Notenbanker angebracht. Wenn billiges Geld die Konjunktur ankurbelt, dürfte die Inflation zwar wieder steigen. Das Gespenst der Deflation lässt sich so vertreiben. Doch sind alle vorigen Zinssenkungen verpufft. Mittlerweile horten die Banken Milliarden für Kredite. Diese werden von Firmen aber nicht in gewünschtem Umfang abgerufen. Investitionen werden, wenn sie überhaupt getätigt werden, aus Eigenmitteln gestemmt. Und die Sorgen um den Aufschwung lassen viele Unternehmer noch vorsichtiger agieren. Zumal sämtliche Konjunkturprognosen wegen der Ukraine-Krise nach unten geschraubt werden.

Mit noch etwas billigerem Geld lässt sich die Wirtschaft in Europa nicht anschieben. In wichtigen Volkswirtschaft wie in Frankreich und Italien sowie in Krisenstaaten wie Griechenland müssen Reformen endlich konsequent umgesetzt werden. Doch die Politik in diesen Ländern ist nicht in ausreichendem Maße handlungsfähig. Verkrustete Strukturen und Bürokratie verhindern Fortschritte. Zu allem Überfluss versuchen Rom und Paris die Sparpolitik in Europa aufzuweichen. Doch: Mit Geldausgeben alleine kann kein Wachstum geschaffen werden. Die Zeche für die verfehlte EZB-Politik zahlen die Sparer. Zinsprodukte bringen schon jetzt nichts mehr. Deshalb hat auch die Altersvorsorge vieler Deutscher bereits erheblich gelitten. Derweil mag der Geldsegen die Aktionäre freuen. Stecken institutionelle Investoren ihre Mittel doch in Anteilsscheine.

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Doch spätestens, wenn die USA - wie jetzt schon absehbar - die Zinsen erhöhen, dürfte die Party vorbei sein. Und selbst potenzielle Häuslebauer werden über günstige Zinsen kaum noch jubeln. Sind Immobilien doch teuer geworden. Nein, „Super Mario“ ist auf dem Holzweg. Die niedrigen Zinsen bringen nichts - außer viele Verlierer.

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