Katholische Kirche

Kommentar: Signale der Hoffnung

Bei manchen katholischen Bischöfen rennen die vielen Gläubigen, die auf Reformen drängen, offene Türen ein: War es doch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der bei der Herbstvollversammlung der Bischöfe zugestand, dass die Kirche einen neuen Aufbruch brauche. Von Peter Schulte-Holtey

Über die Missbrauchsfälle hinaus gebe es „bohrende Zweifel an der einen oder anderen Lehre der Kirche“ - etwa im Bereich der menschlichen Sexualität, so der Freiburger Erzbischof. Ihm ist es auch zu verdanken, dass jetzt endlich ein intensiver Reformdialog begonnen wurde.

Als gutes Zeichen wurde bereits gewertet, dass die Ergebnisse der Mannheimer Auftaktveranstaltung des wichtigen Diskussionsforums nicht wie ursprünglich geplant nur von den Bischöfen vorgetragen wurden. Auf dem Podium saß unter anderem auch der Generalsekretär des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Stefan Vesper, der eine positive erste Bilanz der Gespräche zog.

Viel bedeutsamer für den sich anbahnenden Reformprozess ist aber die Nachricht vom Wochenende, dass die katholische Kirche den sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen nun umfassend erforschen lassen will. Mit der Studie will die Bischofskonferenz laut „Spiegel“ herausfinden, unter welchen Umständen es zu den Taten gekommen ist, wie die Kirche damit umgegangen ist und wie neue Fälle verhindert werden können.

Nachsicht für die Täter und vorsätzliches Vertuschen - unter diesen Stichworten lässt sich das jahrzehntelange Verhalten der katholischen Kirche gegenüber Geistlichen zusammenfassen, die unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern standen. In der Praxis hieß das oft, dass pädophile Priester nicht aus dem Verkehr gezogen wurden, sondern nur in eine andere Pfarrgemeinde versetzt wurden, wo natürlich neue Gefahren für Kinder und Jugendliche entstanden.

Die katholische Kirche hat in den letzten Monaten viel unternommen, um mehr Licht in diese dunkle Zeit zu bringen. Das neue Forschungsvorhaben unterstreicht den Willen, bessere Barrieren gegen mögliche Täter in den eigenen Reihen aufzubauen. Damit wächst die Hoffnung vieler Christen, dass die Bischöfe in Deutschland doch mehr Verantwortung für die Aufklärung von Unrecht und für überfällige Reformen in der Kirche übernehmen wollen.

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