Angst und Wut

Kommentar zum Kölner Silvesterschock

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Offenbach - Frauen werden mitten in einer Großstadt zu Freiwild, begrabscht, bedrängt und bestohlen. Was in Köln passiert ist, ist schrecklich. Ein nachträglicher Silvesterschock, dessen Dimension vielen erst jetzt richtig bewusst geworden ist. Da wachsen Angst und Wut. Von Peter Schulte-Holtey

Was besonders erschüttert: Sollten die Berichte und Erkenntnisse zutreffen und sich so viele Personen an den Übergriffen beteiligt haben, dann geht es hier nicht nur um besonders hemmungslose Gewaltkriminalität, sondern auch um einem eklatanten Fall von Polizeiversagen. Die spürbare Besorgnis vieler Menschen ist auf jeden Fall berechtigt. Denn wenn die Polizei die öffentliche Sicherheit nicht einmal am Kölner Dom gewährleisten kann, ist das ein Armutszeugnis der ganz besonderen Art.

Vor allem wäre ein Polizeiversagen ein verheerendes Signal in Zeiten, in denen Hunderttausende aus dem islamischen Kulturkreis wie dem der vermutlichen Täter nach Deutschland kommen. So gibt es Anzeichen dafür, dass aus dem Horror-Silvester von Köln noch ein handfester Polizei-Skandal werden könnte. Warum brauchte es so lange, bis die Behörde an die Öffentlichkeit trat? Wieso wurde die Zahl der beteiligten Männer offenbar zunächst viel zu niedrig angesetzt?

Ja, die Ereignisse in Köln müssen gründlich untersucht werden. Zugleich kommt es jetzt auf eine angemessene Betrachtung an. Wir sollten auf der Hut sein und uns bei aller berechtigen Empörung die Übersicht bewahren. Denn die politischen Rattenfänger krakeelen bereits; sie versuchen, den Vorfall für ihre Flüchtlingspolitik zu instrumentalisieren. Wir sollten ihnen nicht auf den Leim gehen und uns nicht dazu verleiten lassen, vorschnell einen Zusammenhang der Übergriffe mit der Herkunft der Täter herzustellen. Das wäre höchst fahrlässig.

Zu einer verantwortungsvollen Flüchtlingspolitik und zum klaren Blick in der Diskussion nach dem Silvesterschock von Köln gehört es aber auch, wesentlich schnellere Entscheidung der Behörden über das Bleiberecht von Zuwanderern zu verlangen. Es kann nicht sein, dass tausende Ausländer ohne Perspektive, im Schwebezustand der Duldung oder in der Illegalität in unserem Land leben. Wer nicht bleiben darf, muss schneller gehen.

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