Kommentar: „Hallo Barack, ich bin‘s!“

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Georg Anastasiadis

Ob die Schlapphüte mit den großen Ohren wohl auch mithörten, was Bundeskanzlerin Merkel ihrem US-Kollegen Obama am Telefon zu sagen hatte? Vielleicht beendete Angie ihren Plausch ja mit den versöhnlichen Worten „Gut, dass wir darüber gesprochen haben, Barack“. Von Georg Anastasiadis

Egal: Die deutsche Öffentlichkeit wird es nie erfahren. Sie muss sich ihr Urteil darüber, ob die Spitzen des bundesrepublikanischen Rechtsstaates die Lauschangriffe aus Übersee auch mit der nötigen Entschiedenheit zurückweisen, anhand öffentlich nachvollziehbarer Aussagen bilden. Und da bleibt leider Betrübliches zu konstatieren: Wortkarg die Kanzlerin, bis zur Peinlichkeit daneben der Bundespräsident. Joachim Gauck fiel nach Bekanntwerden des Abhörskandals nichts Besseres ein, als den „puren Verrat“ des Enthüllers Snowden zu geißeln.

Von zwei Spitzenvertretern der Republik, die ihre Sozialisation im Stasi-Abhörstaat erlebten, hätte man mehr Sensibilität in Fragen des Schutzes der Bürgerrechte erwarten können und müssen. Oder reicht die Bewunderung Amerikas so weit, dass die Befreier vom Joch des Kommunismus nicht mit der nötigen Härte kritisiert werden dürfen? Das wäre grundfalsch, denn es gibt keinen besseren Kronzeugen gegen Obamas Abhör-Passion als Amerikas Gründervater Benjamin Franklin. Ihm verdankt die Nation die (im Terrorabwehrkampf leider verschüttete) Erkenntnis, dass jene, die ihre grundlegenden Freiheiten für ein Stück mehr Sicherheit aufgeben, am Ende beides verlieren.

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