Testballon platzen lassen

Kommentar: Steuerrabatt für Handwerkerarbeit

Wenn man die Absetzbarkeit von Handwerker-Rechnungen schon mit dem abwertenden Begriff „Subvention“ belegen will, sollte es zumindest keine Zweifel daran geben, dass es sich dabei um eine der sinnvolleren handelt.

Die „Mitnahmeeffekte“, aufgrund derer sie jetzt ein SPD-Politiker auf den Prüfstand stellen möchte, sind jedenfalls ein Totschlagsargument von mäßiger Überzeugungskraft. Warum saniert etwa ein Hausbesitzer seine morsche Dachgaube? Wegen eines begrenzten Steuervorteils etwa? Oder vielleicht doch, weil es nötig ist? Ein Arbeitnehmer fährt ja auch nicht nur deshalb zu seinem Arbeitsplatz, weil ihn die Kilometerpauschale dazu verlockt. Ist sie deshalb unsinnig?.

Richtig ist in jedem Fall, dass die Absetzbarkeit von handwerklichen Tätigkeiten starke Anreize für mehr Steuerehrlichkeit setzt. Wenn Gutachter jetzt herausgefunden haben wollen, dass sich die Zahl ordentlicher Rechnungen in einer traditionellen Zone der Schattenwirtschaft kaum erhöht hat, ist Skepsis durchaus angebracht. Vielleicht wäre sie ohne den entsprechenden Paragrafen ja viel niedriger ausgefallen!

Vor dem Hintergrund der ausufernden kalten Progression, die den Steuerzahler allein in diesem Jahr 770 Millionen Euro zusätzlich kostet, entlarvt sich der angebliche Kampf des SPD-Politikers Carsten Schneider gegen eine „überflüssige Subvention“ im übrigen sehr schnell als ungenierter Versuch, dem ohnehin geschröpften Bürger zusätzlich in die Taschen zu langen. Parteichef Gabriel, der offenbar nicht in diesen Verdacht geraten möchte, scheint zum Glück entschlossen, den Testballon platzen zu lassen.

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