Flüchtlingshelfer werden kriminalisiert

Kommentar: Stolz auf Europa?

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Michael Eschenauer

Es sind schwer erträgliche Tage in Deutschland und Europa. Und das liegt nicht nur an der Hitze. Von Michael Eschenauer

Im Mittelmeer ertrinken Flüchtlinge in steigender Zahl, weil die Helfer – Rettungsschiffe privater Hilfsorganisationen, aber auch lokale Fischer – von Regierungen als Schlepper kriminalisiert, mit Strafen belegt und in den Häfen festgehalten werden. Dabei wollen sie nur das tun, was Menschlichkeit und Seerecht gebieten: Frauen, Kinder und Männer in Lebensgefahr helfen. Auch Befürwortern einer restriktiveren Asylpolitik fällt es schwer, ruhig zu bleiben, wenn Christsoziale im bayerischen Volkstheater eine Burleske aufführen, bei der eine Handvoll Grenzübergänge mit großem Remmidemmi gegen ein paar Flüchtlinge gesichert werden. Politik fürs Schaufenster, die die Volksseele beruhigen soll. Irrationalität statt Problemlösung.

Man kann es dem jahrelang mit seinen Migrantenproblemen alleingelassenen Italien nur schwer verübeln, wenn dessen populistische Regierung die Strände dichtmacht für Verzweifelte aus Afrika. Doch wo ist Deutschland? Wo ist die EU, um dem Sterben Einhalt zu gebieten? Wir leisten uns hoch bezahlte Profis in Brüssel und Berlin. Fällt denen nicht mehr ein, als tatenlos zuzuschauen, wenn Prinzipien der Menschlichkeit in den Dreck getreten werden? Es ist Sommer in Deutschland. Das heißt: „Vamos al la playa“ für die einen, „Ersaufen unter Aufsicht“ für die anderen. Alles im gleichen Wasser, alles nur ein paar Kilometer voneinander entfernt.

Natürlich können wir nicht alles Leid der Welt auf europäischem Boden lösen. Auch wenn es zu einem Teil auch von uns verursacht wurde. Und, ja, vielleicht wird es unumgänglich sein, bereits an den Küsten Afrikas in Lagern eine Vorabklärung der Asylchancen vorzunehmen. Auch dies sind Ansätze, die hart an der Grenze der Humanität operieren. Doch das Zuschauen beim Sterben im Ferienmeer überschreitet eine Linie, die nicht überschritten werden darf. Im Straßenverkehr wird bestraft, wer bei Unfällen filmt, statt zu helfen. Weit entfernt von diesen Gaffern sind wir nicht mehr. Europa, Deutschland, ja der gesamte – gern in Abwehrhaltung gegen alles fremd Scheinende beschworene – „abendländisch-christliche Kulturkreis“ dürfen nicht untätig bleiben. Ansonsten machen sie sich schuldig, sowohl moralisch, als auch völkerrechtlich. Dieser Makel wird lange anhaften. Wer kann dann noch stolz auf Europa sein?

Das Milliardengeschäft mit dem menschlichen Leid

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