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Kommentar: Strafbefehl gegen Notarzt aufgehoben

Angela Walser

Das gab es noch nie. Ein Generalstaatsanwalt setzt sich über seine Kollegen hinweg und hebt einen Strafbefehl auf. Christoph Strötz hat es gestern getan. Von Angela Walser

Der Münchner Generalstaatsanwalt, der im März als neuer Oberlandespräsident nach Nürnberg wechseln wird, traf eine überraschende Entscheidung. Eine Entscheidung, die so menschlich, so nachvollziehbar ist, dass man einfach nur erleichtert aufatmen mag. Zudem ist sie juristisch völlig legitim.

Da rast ein Notarzt zu einem Kind, das zu ersticken droht. Ein Autofahrer fühlt sich behindert, zeigt den Mann an. Der erhält einen Strafbefehl über 4 500 Euro. Der Fall löste im Internet heftige Reaktionen aus. Der Generalstaatsanwalt konnte sich dem Medienecho nicht entziehen. Er wurde aufmerksam, ließ den Strafbefehl noch einmal prüfen und hob ihn auf. Der Rechtsstaat und das Rechtsgefühl der Menschen sind endlich einmal konform gegangen.

Die Entscheidung von Christoph Strötz ist kein Kniefall vor der stetig wachsenen Internet-Gemeinde, sondern die Ausschöpfung tatsächlich aller juristisch zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Das Oberlandesgericht Nürnberg darf sich ab März auf einen umsichtigen und hellwachen Präsidenten freuen.

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