Bildung und Kriminalität

Kommentar: Was lernen wir daraus?

Es sieht verdächtig nach einem Windei aus, was da an der Frankfurter Universität ausgebrütet worden ist. Zwei Wirtschaftswissenschaftler sorgen für einiges Aufsehen mit ihrer aktuellen Studie. Von Ulrich Kaiser

Darin wollen sie - erstmals in Deutschland - einen „kausalen Zusammenhang“ zwischen mangelnder Bildung und Kriminalität nachgewiesen haben wollen. Mit Verlaub: Da lachen die Hühner.

Dass unzureichende Schulbildung mit einer höheren Verbrechensrate einhergeht, ist schließlich bei Eigentumsdelikten bereits auf den ersten Blick plausibel. Denn allein die Beschaffungskriminalität kann nicht in sozialen Schichten sonderlich stark ausgeprägt sein, in denen der Erwerb von Gütern schon aufgrund der ökonomischen Ausstattung in der Regel nach Recht und Gesetz geschieht. In solche mehr oder weniger gut situierten Schichten kann freilich nur gelangen oder sich dort halten, wer über ein hinreichendes (Aus-)Bildungsniveau verfügt. Das ist eine Binsenweisheit und bedarf keiner wissenschaftlichen Untersuchung.

Überdies steht außer Frage, dass der Weg zu einem höheren Bildungsstandard von der Einübung in die Akzeptanz einer bürgerlich-zivilen Gesellschaft begleitet wird. Schulen sind naturgemäß auch damit beschäftigt, deren Normen und Werte zu vermitteln, den ganzen Kanon von Belohnungen und Strafen zumindest ein Stück näherzubringen. Einer kriminellen Karriere ist dies gewiss abträglich - wussten wir allerdings auch längst.

Was lernen wir also daraus? Dass eine Studie wenigstens mit Zahlen belegt, was uns ohnehin klar war? Dass unser Vorurteil endlich auf wissenschaftlicher Basis steht? Verwundert darf sich jedenfalls die Augen reiben, wer dem behaupteten Nachweis einer Kausalität nun Beifall zollen soll. Auch wenn die blauäugige Utopie durchaus Charme hat: Einfach kräftig in Bildung investieren, um dem Verbrechen den Garaus zu machen.

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