Über den Wolken...

Kommentar zum Thema: Streik der Lufthansa-Piloten

Allein der Lufthansa (LH) sind durch die Streiks ihrer Piloten bisher Schäden in Höhe von rund 220 Millionen Euro entstanden. Das ist viel Geld, eigentlich schon zu viel für die deutsche Airline. Und zudem ist eine Lösung in dem Tarifstreit immer noch nicht in Sicht. Von Siegfried J. Michel

Dass die Vereinigung Cockpit (VC) natürlich versucht, für ihre Mitglieder in den Tarifverhandlungen das Beste herauszuholen, ist nachvollziehbar und ureigenste Aufgabe einer Gewerkschaft. Doch auch hier gibt es Grenzen.

Die sind dann gegeben, wenn es in einem Unternehmen nicht mehr rund läuft, Gewinne wegbrechen und schließlich Verluste in den Büchern stehen. Dass ist inzwischen bei der Lufthansa so. Der Kranich-Airline machen unter anderem die Billigflieger schwer zu schaffen, der Konkurrenzdruck insbesondere durch die Fluggesellschaften vom Arabischen Golf wächst, und auch die von der Politik einst eingeführte nationale Luftverkehrssteuer trifft die LH.

Fakt ist aus oben genannten Gründen, dass die Lufthansa, um überhaupt auf dem umkämpften Markt noch wettbewerbsfähig bleiben zu können, ihre Kosten drücken muss. Gelingt ihr dies nicht, dann kann es auch zu einer Bruchlandung des Unternehmens kommen. Dann aber stehen nicht nur finanzielle Einschnitte oder die durchaus als üppig zu bezeichnende Übergangsversorgung der Piloten zur Disposition, sondern viele hundert Arbeitsplätze. Offenbar haben die Kapitäne der Lüfte bei ihren Flügen über den Wolken den Blick auf die harte Wirklichkeit, der sich ihr Unternehmen ausgesetzt sieht, verloren.

Sie sind nämlich dabei, der LH so großen Schaden - auch imagemäßig - zuzufügen, dass die Bruchlandung nur noch wahrscheinlicher wird und dazu wohl schneller kommt. Das kann und sollte nicht Ziel der Piloten sein. Kompromissfähigkeit ist gefragt - auf beiden Seiten.

Blickt man zurück in der Geschichte der deutschen Gewerkschaften, so gibt es einige Beispiele dafür, dass die Arbeitnehmervertreter bei Tarifverhandlungen sehr wohl auch bittere Kröten schluckten, um die Unternehmen in ihrer jeweiligen Branche, die in offensichtlichen und nicht wegzudiskutierenden Nöten steckten, nicht noch mehr zu beschädigen. Dies hat sich z. B. schon mehrfach in der Zeitungsbranche bei Tarifverhandlungen der Journalisten-Gewerkschaften mit dem Verlegerverband gezeigt. Vielleicht sollte sich VC dort bei den Kollegen einmal beraten lassen.

siegfried.michel@op-online.de

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