Ohnmacht des Rechtsstaats

Kommentar zum Thema Wohnungseinbrüche

Man sollte sich vom überschaubaren durchschnittlichen Schaden von 3 250 Euro nicht täuschen lassen: Der dramatische Anstieg der Wohnungseinbrüche in Deutschland ist eine Herausforderung für den Rechtsstaat, deren psychologische Wirkung derjenigen der Flüchtlingskrise kaum nachsteht. Von Lorenz von Stackelberg 

Denn die überwältigende Mehrzahl der Täter wird nie gefasst, und die Folgen ihres Tuns sind mit der Regulierung durch die Hausratsversicherung mitnichten beseitigt. Diebische Finger in privaten Schränken und Schubladen hinterlassen nicht nur bei empfindsamen Naturen ein quälendes Gefühl der Fremdheit im eigenen Zuhause, das den Ärger über materielle Verluste in der Regel weit in den Schatten stellt. Zumal die allermeisten Opfer wenig später die lakonische Mitteilung über die Einstellung des „Verfahrens gegen Unbekannt“ im Briefkasten finden. Stereotype Verweise auf organisierte Bandenkriminalität mit Wurzeln in Osteuropa oder auf dem Balkan tragen da auch nicht gerade zur Steigerung des Vertrauens in Polizei und Justiz bei, sondern schüren Vorurteile gegen ganze Volksgruppen und bringen das durch die Flüchtlingskrise schwer geprüfte grenzenlose Europa weiter in Misskredit.

Einbruchskriminalität verunsichert die Bürger deshalb so nachhaltig, weil sie ihn unvermittelt in der Privatsphäre trifft, in der er ihr nicht aus dem Weg gehen kann. Die offensichtliche Ohnmacht von Polizei und Justiz wird vor diesem Hintergrund als Offenbarungseid des Rechtsstaats erlebt. Steuerliche Anreize für diebstahlhemmende Türen und Fenster sind als Antwort darauf zu dürftig.

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