Kommentar: Wichtige erste Schritte

Der Wind dreht sich, der Einzelhandel schreibt sich den Tierschutz auf die Fahnen. Bei der „Initiative Tierwohl“, die Anfang 2015 startet, machen alle mit: Von Aldi Nord und Süd über Edeka bis zu Lidl und Kaufland.

Der Gruppenzwang ist positiv: Schließlich will keiner der großen Lebensmittelhändler künftig als der einzige dastehen, dem Tierschutz egal ist. Ob die Initiative aber tatsächlich dauerhaft Schweinen mehr Platz und Futter und weniger Antibiotika-Zufuhr und in einem nächsten Schritt auch Hühnern ein besseres Leben bietet, ist offen. Die Initiative ist ein erster Schritt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bemerkenswert ist neben der Breite des Zusammenschlusses, der Unternehmen, Bauernverbände und Lebensmittelhändler umfasst, auch die Höhe der Zuwendungen: Immerhin 65 Millionen Euro sollen pro Jahr alleine für bessere Schweinehaltung ausgegeben werden. Nachhaltig und wirklich ein großer Schritt für den Tierschutz kann die Initiative aber nur sein, wenn zwei weitere Punkte erfüllt sind.

Verbraucher müssen in Zukunft bereit sein, mehr zu bezahlen für gutes Fleisch und damit artgerechtere Haltung. Nur dann kann auch die „Initiative Tierwohl“ funktionieren. Sie unterstützt die Landwirte je nach der tatsächlich verkauften Fleisch- und Wurstmenge. Damit wird der Verbraucher erst einmal an der Fleischtheke nicht zusätzlich zur Kasse gebeten. Aber wahrscheinlich ist, dass der Handel sich den Einsatz fürs Tierwohl schlussendlich vom Kunden bezahlen lassen wird. Tierschutz und Billigfleisch - das passt auf Dauer nicht zusammen.

Zudem muss eine einheitliche europäische Lösung gefunden werden. Deutschland kann in der EU nicht alleine fürs Tierwohl vor sich hinwerkeln: Eine „Insellösung“ fördert nur die billigen Fleischimporte aus Osteuropa. Dass sich nun Deutschland, Dänemark und die Niederlande für mehr Tierschutz in der EU stark machen, ist ein weiterer wichtiger Schritt. Der Wind dreht sich...

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