Geringe Wahlbeteiligung

Kommentar: Es läuft etwas sehr schief

Mitgliederschwund und Überalterung in den Parteien, sinkende Beteiligung an Wahlen zum Landtag und bei vielen Abstimmungen auf kommunaler Ebene: Unsere Demokratie steuert derzeit erstaunlich geräuschlos in eine echte Misere. Von Peter Schulte-Holtey

Dabei könnte das wachsende Desinteresse der Bürger schon bald gefährliche Folgen haben. Denn die Frustration steigt oftmals, je verständnisloser und uninformierter die Bürger der Politik gegenüberstehen. Von Politikverdrossenheit ist ja schon oft die Rede gewesen. Bei der genaueren Analyse fällt aber auf: Es wird immer unklarer, was der Wähler eigentlich will. Beispiel AfD: Sie kann noch nichts vorweisen in ihrem kurzen Partei-Leben, außer, dass viel über sie gestritten wird und sie sich ausführlich mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit beschäftigt.

Wie kann es da sein, dass ihr kruder Konservatismus plötzlich für fast zehn Prozent der Stimmen reicht? Wird also zunehmend aus dem Bauch raus irgendetwas gewählt, um Contra zu geben? Oder misstraut man der Politik grundsätzlich und bleibt deshalb der Wahlkabine fern? Vielleicht glauben viele Wahlberechtigte auch, dass sie die Politik nicht mehr für ihr Leben brauchen und besser alles allein organisieren können? Und dass es womöglich hilfreicher ist, sich via Facebook und Co. mal ganz schnell zu entrüsten? Und warum diskutieren wir überhaupt noch über mehr unmittelbare Beteiligung der Wähler an politischen Entscheidungen, wenn er vor Ort immer seltener zur Lokalwahl geht?

Zumindest Politikwissenschaftler müssten doch erkannt haben, dass gerade etwas sehr schief läuft - dass viele Fragen alsbald beantwortet werden müssen.

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