Ukraine-Krise

Westen in der Klemme

Offenbach - Das sollte im Westen mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine besonders beunruhigen: Wladimir Putin interessiert schon lange nicht mehr, was in EU oder Nato über ihn gesagt wird oder mit welchen Szenarien Politiker in Washington oder den europäischen Hauptstädten drohen.

Schon jetzt hat Moskau die Souveränität der Ukraine massiv verletzt. Wann hat es das zuletzt in Europa gegeben? Fast ohnmächtig müssen Europäer und Amerikaner wieder einmal zusehen, wie der „neue Zar“ im Kreml alle Werte torpediert, die dem Westen heilig sind. Zwar arbeitet man längst in einigen wichtigen außenpolitischen Problembereichen erstaunlich vertrauensvoll zusammen. Aber wenn der Westen den Eindruck erweckt, Moskau seine mehr oder minder treuen Vasallen im Osten wegnehmen zu wollen, reagiert der russische Präsident allergisch. Das hat die Georgien-Krise gezeigt, mit der Ukraine ist es nicht anders.

Die Strategie des Kreml-Herrschers ist leicht zu durchschauen. Nach dem Sturz des russischen Vasallen in Kiew, will er sich durch seine rücksichtslose Militäraktion auf der Krim Mitsprache im politischen Ringen in der Ukraine sichern. Was die freiheitsliebenden Ukrainer besonders erschüttern wird, ist die Tatsache, dass kaum Widerstände von EU und Nato zu erwarten sind.

Krim-Krise: Soldaten, Rocker, russische Invasion

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Denn das Dilemma des Westens liegt auf der Hand: Entweder man reagiert mit einer schmerzhaften Sanktionspolitik auf Russlands Invasion; dies wäre dann der entscheidende Schritt zu einem neuen Kalten Krieg (den unter anderem die Kunden von Gazprom in Westeuropa zu spüren bekämen). Oder der Westen akzeptiert zähneknirschend Moskaus neue Rolle auf der Krim und überredet die neue Führung in Kiew zu Ruhe. Es scheint derzeit kein Rezept gegen Putins Machtansprüche zu geben. Das muss alle Europäer ängstigen.

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