Umstrittene Leichenaktion

Kommentar: Zynisch und verächtlich

Natürlich möchten Künstler Aufmerksamkeit, erst recht die, welche sich als politische Künstler verstehen. Das Geschäft ist allerdings mühsam in Zeiten, in denen es normal ist, dass Menschen öffentlich Würmer fressen, ihre Krebserkrankungen, Schwangerschaften und alle möglichen anderen Höhe- und Tiefpunkte ihres Lebens vorzeigen, damit möglichst alle so irre über sie staunen können, wie sie selbst es tun.

Der Tod ist in diesem Geschäft schon lange kein Tabu mehr. Die Medien spielen mit, weil sie keine Sittenwächter sind, sondern in ihren je eigenen Blickwinkeln abbilden sollen, was ist. Zwar gibt es in Deutschland noch den Straftatbestand der Störung der Totenruhe. Doch wo sich der Begriff von der Würde des Menschen hinter der maximalen Verwertbarkeit des Menschen verflüchtigt, da wird selbst Leichenschändung zu einer fremdartigen Kategorie aus der Vorzeit. Umso klarer muss gesagt werden: Die Leichen-Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“ ist pervers, weil sie die toten Flüchtlinge noch einmal opfert, obwohl sie Trauer vorgaukelt. Die Aktion ist zynisch, weil sie das Leid der Angehörigen für eigene Zwecke ausnutzt. Man entlarvt keine Menschenverachtung und Würdelosigkeit, wenn man sich menschenverachtend und würdelos verhält.

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