Umweltpolitik im Großen und Kleinen

Kommentar: Schluss mit Selbstbetrug

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Klimaschutz lässt sich nicht verordnen. Deshalb funktionieren die Weltklimakonferenzen ja auch nicht. Vom aktuellen Treffen in Doha wird schon gar nichts erwartet - ein paar Tage Geschwafel und am Ende ein Null-Resultat. Von Frank Pröse

Schön, dass wir wieder übers Weltklima gesprochen haben… Fensterreden können den Selbstbetrug der Weltgemeinschaft nicht verdecken. Protokolle ersetzen das Machbare. Wenn die Welt denn wenigstens bliebe wie sie ist. Selbst das scheint nach Doha ausgeschlossen, da müssen die Verhandlungsrunden gar nicht abgewartet werden. Inder und Chinesen werden ihren Wachstumskurs auf Kosten des Klimas selbstbewusst und mit Fingerzeig auf die Vorbilder westlicher Industriestaaten weiter verfolgen. Die USA wollen fossilen Energien jetzt sogar zu einer Wiedergeburt verhelfen. Kanada, Russland und Japan stehen zudem für eine weitere verpflichtende Schadstoffminderungsvereinbarung via Kyoto-Protokoll nicht zur Verfügung. Noch Beispiele gefällig?

Fortschritte beim Umweltschutz lassen sich offensichtlich nur im kleineren Maßstab erzielen - mit den entsprechenden minimalen Auswirkungen auf die Reduzierung der weltweiten Emissionen. Aber was ist die Alternative? Der ökologische Ansatz vor Ort, im Wohnumfeld, in der Stadt, im Betrieb, im Verkehrswesen und letztlich auch bei der Energieerzeugung zieht immer größere Kreise; zumal, wenn es sich rechnet. Schwierig wird es, wenn es erst einmal Geld kostet, so wie bei der Investition in Stromnetze zur Sicherung der Energiewende. Weil der zügige Ausbau unterbleibt und somit Stromverluste provoziert werden, müssen die Verbraucher tiefer in die Tasche greifen - als Entschädigung für die Zwangsabschaltung von Windrädern.

So funktioniert der Treibhauseffekt

Wie der Treibhauseffekt funktioniert

Das Überraschende: Trotz der höheren Kosten will die Mehrheit der Bundesbürger weiterhin die Energiewende. So bleibt die Politik in der Pflicht, auch die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Das bedeutet zunächst einmal eine bessere Koordination, damit nicht Windparks gebaut werden, wo keine Netzanschlüsse vorhanden sind oder der Bau der Anlagen eben dort ausbleibt, wo der Stromtransport schon heute kein Problem wäre. So schwer kann das nicht abzustellen sein. Umweltpolitik ist freilich ein schwieriges Geschäft, siehe oben…

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