Verantwortung übernehmen

Kommentar zur Umweltstudie

Umweltschutz ist in den Augen vieler Bundesbürger auf der Skala ihrer drängendsten Probleme deutlich abgesackt. Die zehnte „Umweltbewusstseinsstudie“, die gestern in Berlin vorgestellt wurde, ist voller Ergebnisse, die sehr nachdenklich stimmen. Von Peter Schulte-Holtey

So ist das Ökodenken auch bei Kleidung und Lebensmitteln nur sehr schwach ausgeprägt. Zwar ist vielen das Biosiegel für Lebensmittel bekannt; die Kaufentscheidung beeinflusst es aber nur bei einem Drittel der Befragten. Demnach kaufen nur 13 Prozent immer und 17 Prozent häufig Bioqualität. Das ist auf dem zweiten Blick schon verwunderlich.

Laut Statistik kaufen wir in Deutschland rund 25 Kilogramm neue Textilien im Jahr, wovon in etwa die Hälfte auf Kleidung entfällt. Dabei landet zu Lasten von Umwelt und Textilarbeitern immer mehr Mode für immer weniger Geld in den Einkaufstüten. Doch die Nachrichten über Gift in unserer Kleidung und Brände in Kleiderfabriken in Bangladesch haben vielen Menschen zuletzt die Augen geöffnet. Nur sie handeln nicht entsprechend. Auch Jugendliche blenden nach einer Greenpeace-Studie beim Kauf von Kleidung negative Faktoren wie die Ausbeutung von Textilarbeitern oder einen hohen Chemikalieneinsatz aus. Zwar sind diese Probleme fast allen Teens bewusst, aber nur für zehn Prozent sind Herstellungsbedingungen oder Textilsiegel ein Kauffaktor.

Doch wie können Verbraucher überzeugt werden, „bewusster“ eine Kaufentscheidung zu treffen? Vor allem sollte es um eine bessere Aufklärung gehen. Dies kann aber nur gelingen, wenn es einheitliche Standards gibt (wie zum Beispiel das Fairtrade-Zeichen im Lebensmittelbereich). Wer bessere Kleidung kaufen will, scheitert ja oft an der großen Unübersichtlichkeit der vielen verschiedenen Siegeln, die eigentlich der Orientierung dienen sollen.

Umweltverbände sollten also viel intensiver und gemeinsam auf die großen Textilhändler zugehen. Es lohnt sich. Zwar sind die Umsätze der Anbieter von fairer und „sauberer“ Kleidung noch bescheiden im Vergleich zu denen der großen Firmen. Doch die gute Nachricht ist: Es gibt sie, die Anbieter rundum anständig produzierter Bekleidung. Und es werden immer mehr. Auch dank Verbrauchern, die bereit sind, verstärkt Verantwortung für die Umwelt und für Arbeiter in den Textilfabriken Asiens zu übernehmen - auch wenn der Einkauf im Laden dann etwas teurer wird.

Licht aus! Vorher-Nachher-Fotos der „Earth Hour“

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Rubriklistenbild: © op-online.de

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